Zwischen Gletscherschwund und Wasserkraft – eine geographische Exkursion nach Garmisch-Partenkirchen

Die Blicke über die weitläufigen Bergmassive der bayerischen Alpen schweifen lassen, dem Tosen der Partnachklamm zwischen den engen Felswänden zuhören und den inneren Triumpf zu spüren, wenn man sich selbst an den steilen Bergwänden gefordert hat. Kann Geographieunterricht authentischer sein?

Genau diese Erfahrung machte unser kleiner Leistungskurs zum Schuljahresende bei einer geographischen Exkursion nach Garmisch-Partenkirchen. Wir konnten verschiedene Themen aus dem Schuljahr wie Vergletscherung, Massenbewegungen und Landschaftsformung durch Verwitterung und Erosion im Kontext der geologischen Bedingungen noch einmal praktisch anwenden und darüber hinaus die Komplexität des natürlichen Hochgebirgssystems auch unter dem Einfluss des Klimawandels nachvollziehen. Erschreckend war vor Ort die extreme Schrumpfung des Gletschereises. Wo einst mächtige Eismassen das Zugspitzplatt dominierten, fanden wir hauptsächlich karge Schotterflächen vor. Auch das Gletscher-Feeling wollte sich bei +7°C am höchsten Punkt Deutschlands nicht so recht einstellen.

Nicht zu übersehen war der Einfluss des Menschen, v.a. die touristische Infrastruktur, in den Naturräumen an der Zugspitze und in der Region. Dass der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Region ist, bestätigte uns auch Frau Fichtl vom Tourismusverband Garmisch-Partenkirchen. Sie gab uns einen Überblick über die historische und aktuelle Entwicklung der Tourismusbranche der Region und beantwortete bereitwillig unsere Fragen zu Maßnahmen und Strategien in Bezug auf schonenden Tourismus, Klimaanpassung und Sozialverträglichkeit.

Schließlich wurde uns bei unserem Besuch des Walchensee-Kraftwerks am letzten Exkursionstag die überwältigende Dimension der Energieerzeugung durch Wasserkraft vor Augen geführt. Obwohl es für heutige Verhältnisse nur ein kleines Kraftwerk ist, das heute nur noch zur Netzstabilisierung und in Spitzenzeiten einspeist, waren wir überrascht welch massive Veränderungen im natürlichen Wasserregime der Großregion nötig waren. Gerade deshalb galt der Bau als Meilenstein in der Entwicklung der Energieerzeugung aus Wasser.

Nicht zuletzt waren die drei erlebnisreichen Exkursionstage eine intensive soziale Erfahrung, an der die Gruppe gewachsen ist. Spätestens beim gemeinschaftlichen ‚Bezwingen‘ aller Hürden, die uns die Deutsche Bahn auf der Heimreise in den Weg gestellt hatte, war klar, dass wir aufeinander zählen können. – Damit war unsere Exkursion ein absolut gelungener Schuljahresabschluss.