Klonen, Feuerwehr, Schwammstädte – Regional- und Landeswettbewerb Jugend debattiert in Hösbach und München

Politische Radikalisierung, Polarisierung durch soziale Medien, immer mehr Populismus durch Verzerrung und Diffamierung – an vielen Stellen wird zurzeit der Niedergang der politischen Debattenkultur beklagt. Der Wettbewerb Jugend debattiert, an dem bundesweit jährlich 200.000 Schüler teilnehmen (davon 25.000 in Bayern) bewies in diesem Jahr jedoch einmal mehr, dass viele junge Menschen in der Lage sind, sachlich, begründet, überzeugend sowie respektvoll und fair miteinander zu diskutieren und den Diskurs in Zukunft bereichern können.
Im Anschluss an den Schulwettbewerb durften die Schulsieger der beiden Stufen (Sekundarstufe I in der 8. und 9. Klasse, Sekundarstufe II in der 10. bis 12. Klasse) am Regionalwettbewerb am Hösbacher Hanns-Seidel-Gymnasium teilnehmen. In der Sekundarstufe I wurde in den beiden Qualifikationsrunden für das Finale über verpflichtende Beteiligung von Jugendlichen an der Jugendfeuerwehr und allgemeine Videoüberwachung in Schwimmbädern debattiert. Für das Finale konnte sich leider keiner unserer Debattanten qualifizieren. In der Sekundarstufe II ging es hingegen um ein Grunderbe für alle Jugendlichen zum 8. Geburtstag und ein Verbot von In-App-Käufen für Minderjährige. Hier konnte sich unsere Schulsiegerin Malin (11m) für das Finale ihrer Stufe qualifizieren und sprach sich dort für den Umbau der unterfränkischem Städte zu wasseraufnehmenden „Schwammstädten“ aus. Am Ende landete sie auf einem respektablen dritten Platz und wäre damit Ersatzteilnehmerin für die nächste Wettbewerbsrunde, den bayerischen Landeswettbewerb, gewesen. Da der erstplatzierte Schüler seine Teilnahme jedoch absagte, rückte Malin für ihn auf einen der beiden Plätze für die Region Unterfranken-West nach. Zur Vorbereitung durfte sie an einem mehrtägigen Seminar teilnehmen, auf welchem sie die anderen Debattanten kennenlernen und ihre Rhetorik verbessern konnte. So fuhren Malin als Debattantin sowie Benedikt (11m) und Schulkoordinatorin Frau Welsch als Juroren am 15. April zum Landeswettbewerb nach München. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl fanden die Qualifikationsrunden für die Sekundarstufe I am Pestalozzi-Gymnasium, die der Sekundarstufe II hingegen am Maria-Theresia-Gymnasium statt. Malin debattierte hier zum Klonen ausgestorbener Tierarten und zu härteren Strafen bei der Bedrohung von politischem Amts- und Mandatsträgern. Nach der Qualifikation ging es mit der U-Bahn dann ins Maximilianeum, das Plenargebäude des Bayerischen Landtags, wo das Finale im beeindruckenden Senatssaal stattfinden würde. Zunächst wurden alle 48 Teilnehmer noch einmal auf der Bühne geehrt, bevor die acht Debattanten bekanntgegeben wurden, die sich in den Qualifikationsdebatten durchgesetzt hatten und als Beste ihrer Sekundarstufe in der Finaldebatte antreten durften (Unterfranken-West und damit Malin waren leider nicht vertreten). Bevor die beiden Debatten stattfanden, konnten sich alle durch Qualifikation und die Wege durch München ein wenig Erschöpften an einem Buffet stärken. Anwesend waren außerdem Ilse Aigner, die Präsidentin des Bayerischen Landtags, sowie die Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Anna Stolz, die sich an einer Podiumsdiskussion zum Wettbewerb, Landtagsarbeit und politischen Debatten beteiligten. Im Finale der Sekundarstufe I ging es dann um die Frage, ob für Schülerinnen und Schüler der EU ein verpflichtendes Auslandssemester in einem EU-Staat eingeführt werden sollte. Im Landesfinale der Sekundarstufe II, das die Frage um eine paritätische Besetzung der Landeslisten für die bayerische Landtagswahl aufrollte, durfte dafür Benedikt als Teil der Jury die Debatte bewerten und den Finalisten Rückmeldung geben. Nach der Siegerehrung hieß es dann, schnell aus dem Landtag herauszukommen, um so früh wie möglich noch einen Zug zu erwischen. Dort folgten lange Gespräche, wie die Platzierung zu rechtfertigen sei, welche Themen überhaupt am besten für eine Debatte geeignet seien und inwiefern die Erwartungen und Anforderungen an eine Streitfrage durch die Debattanten erfüllt worden waren. Zwei Stunden später kamen wir um 22:15 Uhr erschöpft, aber zufrieden wieder in Würzburg an.
Text: Benedikt K. (11m)
Bilder: Christine Welsch

 

Schulentscheid „Jugend debattiert“ 2024

Über 50 Schülerinnen und Schüler beteiligten sich am 18. Januar als Debattanten oder Juroren am Wettbewerb. Dieser startete mit zwei Qualifikationsrunden, in denen alle Wettbewerbsteilnehmer Punkte sammeln konnten. Debattiert wurde zunächst beispielsweise in der Sekundarstufe II, ob Toilettenräume an Schulen grundsätzlich genderneutral sein sollten. Hier ging es also ausführlich um Toilettentüren, Urinale, Menstruationsartikel und Co. Insgesamt hatten es die Juroren, die ein paar Tage zuvor in einer Jurorenschulung ausgebildet worden waren, nicht leicht. Alle Debattanten waren bestens vorbereitet und die Schüler- und Lehrerjuroren mussten bei der Punktevergabe in den vier Kategorien Ausdrucksvermögen, Gesprächsführung, Überzeugungskraft und Sachwissen viel diskutieren. Spannend wurde es am Ende im Finale der Altersstufe II beim Thema „Sollen in der Schule Fähigkeiten vermittelt werden, die für den militärischen Verteidigungsfall relevant sind?“. Wortgewandt legten hier Ruxi (Q12), Malin (11m), Jasmin (10m) und Frieda (10m) ihre Argumente dar. Eine lebhafte Finalrunde gab es auch bei den Neuntklässlern. Hier stellten sich Lilli (9d), Martin (9d), Paulina (9b) und Rafael (9c) der Frage, ob an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel verboten werden sollte. Alle acht Finalisten erhielten am Ende bei der Siegerehrung einen Buchgutschein. Vielen Dank an dieser Stelle an den Foever, der nicht nur diese Preise, sondern auch die Verpflegung am Nachmittag finanziert hat! Herzlichen Glückwunsch außerdem an unsere überzeugenden Schulsiegerinnen Lilli und Malin! Zusammen mit den Zweitplatzierten Rafael und Frieda werden sie demnächst beim Regionalwettbewerb antreten. Dafür drücken wir natürlich die Daumen!

Text: C. Welsch
Foto: U. Meyer