Kooperation mit dem Kopernikus-Liceum in Tarnobrzeg (Karpatenvorland/ Polen)
Mehr als 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, fast 30 Jahre nach Ende des Kalten Krieges und fünfzehn Jahre nach der EU-Osterweiterung kennen viele Menschen ihre östlichen Nachbarstaaten allenfalls aus Geschichtsbüchern, aus Erzählungen der Großeltern und die wenigsten von eigenen Kurzreisen in Metropolen wie Prag oder Krakau. Vielmehr erfolgte eine Prägung diesseits der Grenze nach Westen, jenseits nach Osten.
Das Ergebnis der jüngsten Zusammenarbeit der Schulen: Historische Stadtflyer zu Würzburg und Tarnobrzeg in der Landessprache des Gastlandes, Foto: M. Pietschmann
Das Deutschhaus-Gymnasium versucht in Kooperation mit dem Kopernikus-Liceum in Tarnobrzeg (Karpatenvorland/ Polen) diesen Zustand zu verändern und zwar dort, wo die Zukunft liegt, nämlich bei den jungen Menschen selbst und den Leuten, die sie ausbilden, ihren Lehrerinnen und Lehrern. Aufbauend auf persönliche Kontakte ergab sich schließich eine inzwischen seit Jahren bestehende vertrauensvolle Zusammenarbeit, ersichtlich in erfolgreich durchgeführten Schulprojekten:
Dem Strategiespiel POL&IS: Einem Modell, das die Vereinten Nationen und internationale Beziehungen abbildet. Ziel des Seminars war es, dass die Teilnehmer verstehen, unter welchen Bedingungen politische Entscheidungen entstehen und wie wichtig es ist, das Weltgeschehen zu verfolgen, um entstehende Konflikte zu erkennen und sie frühzeitig lösen zu können.
- Dem Projekt „Two neighbours - one perspective“: Ein über die europäische etwinning-Plattform vorbereitetes und dann in Polen durch-geführtes Projekt, in dem es darum ging, Kenntnisse über die Geschichte Polens und Deutschlands zu erwerben und Verständnis für die unterschiedlichen Auffassungen von historischer Betrachtung zu gewinnen. Gleichzeitig wurde das Kennenlernen Polens durch Besuche etwa in Krakau oder Auschwitz ermöglicht. Das Projekt wurde in beiden Ländern als „wertvoll“ ausgezeichnet.
- Einem Gedenktafelprojekt in Tarnobrzerg zu Ehren des in Auschwitz inhaftierten und später in Bergen-Belsen ermordeten Künstlers Marian Ruzamski sowie eine Stolpersteinverlegung in Würzburg für Sally und Käthe Heippert.
- Der Durchführung eines in Kooperation mit dem Aktionsbündnis „Stolpersteine“ organsierten Präsentationsabends im jüdischen Zentrum „Shalom Europa“ in Würzburg zu den bisherigen Ergebnissen der Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler; an diesem Abend waren auch polnische Schülerinnen und Schüler sowie der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Herr Dr. Schuster, zugegen.
- Mehreren Teamteaching- und Hospitationsprogrammen zwischen deutschen und polnischen Lehrkräften.
- Einem Projekt zur Erstellung touristischer Stadtflyer zur Geschichte Tarnobrzegs und Würzburgs in der jeweiligen Landessprache. Dabei stellten die Schülergruppen jeweils fünf prägende Schlaglichter der eigenen Stadtgeschichte für die ausländischen Schüler dar. Diese reduzierten dann die Thematik auf Flyergröße und bereiteten sie in ihrer Muttersprache auf.
Erfreulich dabei war es, dass die Schülerinnnen und Schüler alle Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit sowohl in Deutschland als auch in Polen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen durften. Eine Intensivierung der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Kopernikus-Liceum und dem Deutschhaus-Gymnasium ist als Baustein des Profils beider Schulen fest geplant.
Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.
Text: Carsten Dutz, OStR