Jüdische Jugendliche im Dialog mit unseren 9. KlässlerInnen

Montagvormittag. Zwei Jugendliche in schwarzen Hoodies stehen im Klassenzimmer der katholischen Religionsgruppe 9ad. Sie fallen gar nicht groß auf unter den Schülerinnen und Schülern am DHG. Dennoch ist ihr Besuch etwas Besonderes: Jakob und Ilam sind extra aus Frankfurt angereist, wo sie leben und studieren. Sie sind ehrenamtlich im Rahmen des Dialogprojekts „Likrat“ (hebräisch für „aufeinander zu“) ans Deutschhaus gekommen, um im Gespräch mit zwei Schulklassen der 9. Jahrgangsstufe „ihr Judentum“ vorzustellen.

Sie erzählen locker und unbefangen davon, dass für sie „Jüdisch sein“ nicht unbedingt etwas Religiöses, sondern Teil ihrer Identität ist. Sie selbst gehören zwar einer konservativen Gemeinde an, bezeichnen sich aber als nicht-religiös und halten sich nicht an die religiösen Vorschriften des Judentums, die die SchülerInnen vorher im Religionsunterricht kennengelernt hatten. So haben sie nichts gegen einen Cheeseburger einzuwenden – für strenge, koscher essende Juden ein No-Go - und Hebräisch können sie auch nicht. Dennoch gehören manche der jüdischen Traditionen für die beiden 19jährigen einfach dazu: Der Sabbat z. B. ist ein wichtiger Familientag für sie, an dem sie seit Kurzem auch das Handy mal unbenutzt liegen lassen.

Natürlich bleiben Fragen nach judenfeindlichen Erfahrungen nicht aus. Beide erzählen davon, dass Beleidigungen, Ausgrenzungen und das Gefühl der Bedrohung für sie selbstverständlich sind. Sie würden beispielsweise niemandem raten, mit Kippa durch Frankfurt zu laufen. Aber Jakob und Ilam wirken deswegen nicht eingeschüchtert oder zerknirscht – sie leben damit.

Beide waren schon zu Besuch in Israel und geben ihre Erfahrungen von dort weiter: Sie sprechen über touristische Highlights, den grünen Norden, den kargen Süden, die moderne Stadt Tel Aviv und das historisch wie religiös dichte Jerusalem, von der Lebensfreude der Menschen und der Wehrpflicht.

In den 90 Minuten lernen beide Klasse tatsächlich, wie es das Programm „Likrat“ auf seiner Homepage verspricht, ein authentisches und gegenwartsbezogenes Judentum kennen. Danke dafür an Jakob und Ilam!

„Likrat“ ist vom Zentralrat der Juden in Deutschland initiiert und hat zum Ziel, Vorurteile abzubauen und Antisemitismus entgegenzuwirken. (Nähere Infos: www.likrat.de)

Text und Fotos: Nadine Bauer