Dystopie, Moderne und Realität in München

Am Dienstag, den 18. Januar, versammelte sich ein wackeres Trüppchen am sehr frühen Morgen bei eisiger Kälte am Würzburger Bahnhof, um sich auf den Weg in die Landeshauptstadt zu machen. Die Bahn spielte mit und so konnten die Schülerinnen und Schüler aus den beiden Englisch-Leistungsfach-Kursen mit ihren beiden Lehrerinnen entspannt zum Amerika Haus laufen, vorbei an diversen beeindruckenden Bauwerken durch den Alten, inzwischen etwas in Verruf geratenen Botanischen Garten, wo auch unser Gruppenbild entstand. 

Im Amerika Haus erwartete uns die Inszenierung einer Bühnenversion des Romans 1984 von George Orwell vom TNT Theatre Britain, von Paul Stebbings und Phil Smith. Die beiden Kurse, die im Unterricht Aldous Huxley’s Roman Brave New World gelesen hatten, erlebten die schnörkellose und schonungslose Darstellung einer Überwachungsgesellschaft, in der Thought control dadurch erreicht werden soll, dass Sprache auf ein Minimum reduziert und so Thought crime verhindert werden soll. Big Brother, der alles und jeden stets über Kameras und Bildschirme beobachtet, ist dabei die fiktive Personifizierung einer Kollektivherrschaft. Die traurige Message: Auflehnung in einem solchen Staat erweist sich als Irrtum. Winston, die Hauptfigur, die zunächst an einen Umsturz glaubt, ergibt sich der Gehirnwäsche und erkennt schließlich, dass Widerstand zwecklos ist.

Viel Zeit zur Verarbeitung des Dramas blieb nicht, stand doch direkt im Anschluss ein Besuch der Pinakothek der Moderne auf dem Programm, um auf das nächste Unterrichtsthema der beiden Kurse, the Arts (Kunst im weitesten Sinne), einzustimmen. Die Führung durch eine versierte Kunsthistorikerin, die uns ausgewählte Kunstwerke der Moderne zeigte und Hintergrundinformationen und Interpretationsansätze zu diesen lieferte, war sehr aufschlussreich und hilfreich. Das bloße Betrachten der teilweise verstörenden Kunstwerke hätte sicher oft eher Verwirrung oder Spott denn neue Erkenntnisse hervorgerufen. So konnten wir zumindest einen Einblick in die Symbolik und die Intention moderner Kunst gewinnen.

Nach diesem kulturellen Input stand den Schülerinnen und Schülern noch ausreichend Zeit zur Verfügung, um sich zu stärken und durch die Münchner Prachteinkaufsstraßen zu flanieren. Dort trafen wir auch auf viele erwartungsfrohe Celtic Glasgow Fans, die zum am Abend stattfindenden Champions League Spiel angereist waren. Totale Realität also nach Dystopie und abgehobener Kunst. Indem einige von den Schülern schottische Fangruppen auf der Straße ansprachen, war auch schnell klar: der schottische Akzent ist eine Herausforderung – gelebte Listening Comprehension quasi. Pünktlich zum Anstoß des Spiels kamen wir dann wieder in Würzburg an. 

Text: M. Grimm, Fotos: C. Neustedt