Wenn alte Verse lebendig werden

Latein zwischen Metrum, Sprachgeschichte und akademischer Neugier

Latein gilt als tote Sprache, lediglich konserviert zwischen Vokabelheften, Schulbüchern und alten Pergamenten. Doch dass die lateinische Sprache auch unglaublich lebendig werden kann, wenn man sich ihrer annimmt, zeigte der Lateinkurs der Deutschen Schülerakademie in der Grovesmühle, die im Zeitraum vom 23. Juli bis zum 08. August 2026 stattfand. Bei der Deutschen Schülerakademie handelt es sich um ein außerschulisches Förderprogramm, das motivierten und begabten Oberstufenschülerinnen und -schülern die Möglichkeit zur externen Weiterbildung an verschiedenen Standorten bietet. Einer dieser Standorte ist die Grovesmühle, ein idyllisch gelegenes Landschulheim nahe dem Nationalpark Harz zwischen Wernigerode und Ilsenburg. Die Lage mitten in der Natur sowie das eindrucksvolle Mühlhaus, das aus dem 18. Jahrhundert stammt, machen die Anlage zu einem außergewöhnlichen Ensemble, in dem Natur, Geschichte und eine belebte Atmosphäre zu einem Erlebnisraumzusammenfließen.

In diesem anregenden Umfeld kann das Programm freilich nur genauso facettenreich sein: Dieses deckte eine große Bandbreite von Analysis über Jura, Informatik, Stadtplanung bis hin zum Lateinischen ab. Daher möchte ich dem Lateinkurs „Aut insanit homo aut versus facit“, an dem ich selbst teilnehmen durfte, ein summa cum laude aussprechen. Ausgiebig und mit großer Begeisterung wurde sich hier der lateinischen Dichtung gewidmet. Metrische Analyse der Verse und deren anschließende phonologische Rekonstruktion in einer Autorenvielfalt über die Jahrtausende hinweg erweckten das Lateinische auf eine ganz besondere Weise zum Leben. So erschien eine Sprache, die leicht als statisches System von Formen und Regeln wirkt, plötzlich als etwas Bewegliches: als Klang, Rhythmus und historische Prozess, ein System das Wandel durchlebt und durch seine omnipräsenten Themen einen steten Aktualitätsbezug aufweist. Doch auch darüber hinaus bot die Schülerakademie ein umfassendes Programm zum Austausch, zur sportlichen Betätigung und kulturellen wie regionalen Bildung.

Damit erwies sich die Schülerakademie Grovesmühle als eine ausgesprochen gelungene Symbiose aus wissenschaftlicher Neugier, gemeinschaftlichem Erleben und kultureller Horizonterweiterung. 

Text: Alexander K., Q13