Auf den Spuren der Erlösung: Zu Gast im Kloster

Als wir zu Beginn des Schuljahres die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Würzburg besuchten, interessierten sich die Jugendlichen auch für die Kirche im Innenhof, in dem wir uns befanden. Die Idee für unsere nächste Exkursion war geboren – auf Wunsch der beiden 11. Klassen ging es diesmal gezielt zum Kloster der Erlöserschwestern, in dessen Areal die Katholisch-Theologische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg 2019 eingezogen war. 

Im Kloster angekommen spürten wir sofort eine ruhige Atmosphäre mitten in der Stadt, die einen wohltuenden Kontrast zum gewohnten Schulalltag bot. Zuerst wurde uns anhand einer kleinen Ausstellung im Empfangsbereich erklärt, warum die Erlöserschwestern diesen Namen tragen. Schnell war klar, dass es hier um Erlösung in jeglicher Hinsicht gehe, egal ob vom Dunkel ins Licht, vom Stress zur Ruhe, von der Verzweiflung zur Hoffnung oder von der Krankheit zur Gesundheit – eigentlich von allem, was das Leben einschränkt. 

Nachdem bereits die Gründerin festsetzte, dass sie die Liebe Gottes spürbar und sichtbar machen wolle, engagierten sich die Schwestern von Anfang an im sozialen Bereich, sei es in Kindergärten, Krankenhäusern oder im Einsatz für junge Frauen – ein Engagement, das nicht frei von Brüchen war. Auch heute, nachdem das Konzept mit dem Wandel und dem Rückgang der Schwesternzahl zwar etwas geändert wurde, bleibt der Kerngedanke aber immer noch derselbe. Das Mutterhausareal, das ca. 130 Jahre für die Öffentlichkeit eher nicht zugänglich war, öffnete nun für alle Menschen seine Tore, um so jedem Besucher Momente der Erlösung zu schenken. 

Und so konnten auch wir solche kleinen Momente in den neu gestalten Wandlungsräumen erleben. Denn hier kann jeder seinen eigenen persönlichen Zugang zur Erlösung erfahren. Im ersten Raum, der einem von seiner Gestaltung her fast den Boden unter den Füßen wegzieht, hat jeder die Möglichkeit über solch wankende Momente im eigenen Leben nachzudenken, die man als gläubiger Christ als „Karfreitags-Momente“ bezeichnen kann. Danach geht es weiter in einen hellen Raum, der wie ein Ort der Stille wirkt, ein Übergang, ein Karsamstag, der zwar oft eher im Hintergrund steht, im Stillen aber vielleicht das Größte bewirkt. Sehr positiv zu erwähnen ist, dass dieser Übergang auf die Lebenswelt Jugendlicher bezogen wurde: So wurde er nicht nur mit dem Kokon einer Raupe verglichen, sondern auch mit der Pubertät, die als Übergang zwischen Kindheit und Erwachsenenalter fungiert. Ähnlich wie im Kokon einer Raupe findet auch hier ein Umbau statt, in dem man auch einige Entwicklungsaufgaben zu meistern hat, die einem vielleicht manchmal gar nicht so leicht fallen, wenn man sich z.B. mal wieder nicht verstanden fühlt, mit Erwachsenen streitet oder Ähnliches. Nach einem kurzen Verweilen in diesem Raum konnte jeder selbst durch den Durchgang zur Erneuerung in den letzten Raum gehen, der jedoch etwas schwer zu passieren war. Denn wie eine Raupe, die sich nur allein aus dem Kokon kämpfen kann, oder wie Jesus, der aufersteht, konnten wir in einen Raum der Hoffnung gehen. Ein Regenbogenlicht an der Wand erinnerte uns an Gottes Zeichen seiner immerwährenden Begleitung. 

Einen weiteren Ort der Stille konnten wir im neuen Kolumbarium des Klosters erleben, das als öffentlicher Friedhof in seinem Licht und Glanz eine ungewöhnliche Freude und – man kann nur sagen – Erlösung verspüren ließ. 

Auch die neu renovierte Mutterhauskirche, die wir zum Abschluss betraten, verlieh durch den hellen Raum, ihren schlichten Holzaltar und den runden Taufstein eine Art Vollkommenheit, die man gerne mit in die Welt hinaustragen möchte. 

Begeistert stellten wir fest, dass die besten Ideen für Exkursionen oft auch von den Schülerinnen und Schülern selbst kommen. Wir bedanken uns herzlich bei den Erlöserschwestern Würzburg für diese besondere Führung!

Text: S. Köse

Fotos: S. Medler