Go east! Begegnen, erinnern, gestalten

Jugendprojekte des Deutschhaus-Gymnasiums mit dem Nachbarland Polen

Polnischer Generalkonsul würdigt Schülerarbeit

Im Rahmen der Stolpersteinverlegung für die in der NS-Zeit ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter war der polnische Generalkonsul, Herr Andrzej Osiak, in Würzburg zu Gast. Dem Deutschhaus-Gymnasium liegt die Versöhnung zwischen Polen und Deutschen am Herzen, was in der jahrelangen Kooperation mit dem Kopernikus-Liceum in Tarnobrzeg seinen Ausdruck findet. Jüngstes Produkt der Zusammenarbeit beider Schulen war die Erstellung historischer Stadtflyer in polnischer und deutscher Sprache.

Stadträtin Benita Stolz stellte den Kontakt zu Herrn Osiak her. Und so war es zur Freude der beteiligten Schülerinnen und Schüler der Q 11/ der letztjährigen 10 d möglich, dem Generalkonsul von ihrer ertragreichen Zusammenarbeit mit den polnischen Schülern zu berichten. Abschließend überreichten sie Herrn Osiak ihre aussagekräftigen Flyer persönlich. Der historische Wenzelsaal des Würzburger Rathauses bildete einen würdigen Rahmen. Generalkonsul Osiak, Bürgermeisterin Marion Schäfer und Schulleiter OStD Michael Schmitt würdigten die Arbeit der polnischen wie deutschen Schüler.

Ein herzlicher Dank an alle Beteiligten.

Text: Carsten Dutz
Foto: Michael Pietschmann

Kooperation mit dem Kopernikus-Liceum in Tarnobrzeg (Karpatenvorland/ Polen)

Mehr als 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, fast 30 Jahre nach Ende des Kalten Krieges und fünfzehn Jahre nach der EU-Osterweiterung kennen viele Menschen ihre östlichen Nachbarstaaten allenfalls aus Geschichtsbüchern, aus Erzählungen der Großeltern und die wenigsten von eigenen Kurzreisen in Metropolen wie Prag oder Krakau. Vielmehr erfolgte eine Prägung diesseits der Grenze nach Westen, jenseits nach Osten.

Das Deutschhaus-Gymnasium versucht in Kooperation mit dem Kopernikus-Liceum in Tarnobrzeg (Karpatenvorland/ Polen) diesen Zustand zu verändern und zwar dort, wo die Zukunft liegt, nämlich bei den jungen Menschen selbst und den Leuten, die sie ausbilden, ihren Lehrerinnen und Lehrern. Aufbauend auf persönliche Kontakte ergab sich schließich eine inzwischen seit Jahren bestehende vertrauensvolle Zusammenarbeit, ersichtlich in erfolgreich durchgeführten Schulprojekten:

  • Dem Strategiespiel POL&IS: Einem Modell, das die Vereinten Nationen und internationale Beziehungen abbildet. Ziel des Seminars war es, dass die Teilnehmer verstehen, unter welchen Bedingungen politische Entscheidungen entstehen und wie wichtig es ist, das Weltgeschehen zu verfolgen, um entstehende Konflikte zu erkennen und sie frühzeitig lösen zu können.
  • Dem Projekt „Two neighbours - one perspective“: Ein über die europäische etwinning-Plattform vorbereitetes und dann in Polen durch-geführtes Projekt, in dem es darum ging, Kenntnisse über die Geschichte Polens und Deutschlands zu erwerben und Verständnis für die unterschiedlichen Auffassungen von historischer Betrachtung zu gewinnen. Gleichzeitig wurde das Kennenlernen Polens durch Besuche etwa in Krakau oder Auschwitz ermöglicht. Das Projekt wurde in beiden Ländern als „wertvoll“ ausgezeichnet.
  • Einem Gedenktafelprojekt in Tarnobrzerg zu Ehren des in Auschwitz inhaftierten und später in Bergen-Belsen ermordeten Künstlers Marian Ruzamski sowie eine Stolpersteinverlegung in Würzburg für Sally und Käthe Heippert.
  • Der Durchführung eines in Kooperation mit dem Aktionsbündnis „Stolpersteine“ organsierten Präsentationsabends im jüdischen Zentrum „Shalom Europa“ in Würzburg zu den bisherigen Ergebnissen der Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler; an diesem Abend waren auch polnische Schülerinnen und Schüler sowie der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Herr Dr. Schuster, zugegen.
  • Mehreren Teamteaching- und Hospitationsprogrammen zwischen deutschen und polnischen Lehrkräften.
  • Einem Projekt zur Erstellung touristischer Stadtflyer zur Geschichte Tarnobrzegs und Würzburgs in der jeweiligen Landessprache. Dabei stellten die Schülergruppen jeweils fünf prägende Schlaglichter der eigenen Stadtgeschichte für die ausländischen Schüler dar. Diese reduzierten dann die Thematik auf Flyergröße und bereiteten sie in ihrer Muttersprache auf.

Erfreulich dabei war es, dass die Schülerinnnen und Schüler alle Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit sowohl in Deutschland als auch in Polen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen durften. Eine Intensivierung der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Kopernikus-Liceum und dem Deutschhaus-Gymnasium ist als Baustein des Profils beider Schulen fest geplant.

Carsten Dutz, OStR