Go east! Begegnen, erinnern, gestalten- Jugendprojekte des Deutschhaus-Gymnasiums mit dem Nachbarland Polen

Über den Tellerrand hinaus

Deutschhaus-Seminaristen präsentieren ihr deutsch-polnisches Kochbuch mit Crossoverküche

Würzburg. Kulinarischen Feinsinn und interkulturelle Kompetenz bewiesen die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars „Leben und genießen in Franken und im Karpatenvorland“. Die Deutschhaus-Schüler brachten zum Abschluss ihres europäischen P-Seminars als Produkt ein beeindruckendes zweisprachiges Kochbuch hervor, das nun am letzten Montag im Rahmen eines Präsentationsabends vor einer polnischen Delegation, Vertretern des Landtags, der Würzburger Stadtrats sowie Eltern, Lehrern, Schülern und Förderern des Projekts präsentiert wurde.

Gemeinsam mit der Partnerschule im polnischen Tarnobrzeg, dem Kopernikus-Liceum, hatten die 15 Schülerinnen und Schüler der Q 12, unterstützt durch den fachkundigen Rat von Profikoch Luis Röhr, der seine Ausbildung im renommierten Restaurant Reisers am Stein genossen hatte, zunächst typisch fränkische Rezepte gesammelt. Dabei wurden heimische Restaurants und Gasthöfe besucht und deren Köche sowie zuhause Eltern, Großeltern, Verwandte und Freunde befragt. Diese Rezepte wurden geordnet und gesichtet. Begleitet von Grundlageninformationen einer gesunden Küche wählten die begeisterten jugendlichen Hobbyköche dann Rezepte aus und kochten einige davon in der Lehrküche der Don-Bosco-Berufsschule nach. Direktor Dr. Harald Eberth leistete hier den Gymnasiasten Nachbarschaftshilfe. Dann erfolgte über die europäische Internetplattform etwinning ein Austausch der Rezepte mit den polnischen Partnern, die immer spiegelverkehrt arbeiteten. Da die Corona-Pandemie eine erste gemeinsame Kochbegegnung in Polen wie in Deutschland unmöglich gemacht hatte, bewiesen die jungen Leute Spontanität: Die Plattform diente nämlich nicht nur dem Kennenlernen, sondern ebenso zum Austausch individuell erstellter aussagekräftiger Kochvideos. Somit konnten sich Franken und das Karpatenvorland zumindest virtuell begegnen. Dann ging es an den nächsten Schritt: Denn die Schülerinnen und Schüler kreierten Crossovergerichte, in denen Zutaten und Zubereitungsarten der karpatenvorländischen wie fränkischen Küche einfallsreich kombiniert wurden. Dabei schärfte Luis Röhr den Blick der Hobbyköche für Konsistenzen, Farbgebung und Gestaltung der Teller. Da in den P-Seminaren der bayerischen Gymnasien Einblicke in die Berufswelt ausdrücklich erwünscht sind, nahmen die Schülerinnen und Schüler darüberhinaus Kontakt zur Grafikerin Heike Weidner und Fotograf Michael Pietschmann auf, die ihnen Einblicke in ihre Tätigkeiten gewährten und wertvolle Ratschläge gaben. So gelang es ein passendes Kochbuchdesign sowie ausdrucksstarke Bilder zu finden. Nachdem dies erledigt war, erstellten die Seminaristen griffige Rezepttexte, die dann ins Polnische übersetzt wurden. Ergänzt wurden diese durch landeskundliche Fotos und Texte zu den Regionen, denn das Projekt zielte ebenso darauf ab, die eigene Heimat den Partnern nahezubringen. Da die polnischen Schülerinnen und Schüler spiegelverkehrt arbeiteten, war die gegenseitige Korrektur der Sprachinhalte sowie ein gleichgewichtiges Arbeiten aller Kochbuchinhalte gegeben. Landrat Tomas Ebert, Oberbürgermeister Christian Schuchhardt, ihre polnischen Kollegen sowie die Direktoren beider Schulen, OStD Michael Schmitt und Tomasz Stroz, begleiteten das Buch mit aussagekräftigen Grußworten.

Nach dem erfolgten Druck von 1000 Exemplaren, konnten die Schülerinnen und Schüler nun gemeinsam mit den eigens aus Tarnobrzeg angereisten Partnern in eindrucksvollen Vorträgen stolz dem Auditorium ihr Kochbuch vorstellen. Das Projekt wurde im Rahmen eines erasmus-+-Programms des Pädagigischen Austauschdienstes in Bonn sowie vom Verein europafels großzügig gefördert. Ebenso war es den Deutschhäuslern ein Anliegen, von ihrer schönen Reise im September nach Polen zu berichten, wo Land und Leute, die Küche und die Projektpartner endlich persönlich kennengelernt werden konnten. Die Direktoren beider Schulen, die Präsidentin von europafels, Brigitte Baur, sowie die beiden Projektleiter Luiza Majcher und Carsten Dutz, würdigten in ihren Worten die Qualität, Beharrlichkeit, die Freude, den gelebten europäischen Geist und die Sozialkompetenz aller Schülerinnen und Schüler bei ihrer eineinhalbjährigen Arbeit. Apropos Sozialkompetenz: In Tarnobrzeg wie in Würzburg war es der Wunsch aller Seminaristen, den Erlös aus der Veräußerung des Kochbuchs einem gemeinnützigen Zweck zukommen zu lassen. Die Deutschhaus-Schüler entschieden sich, ihre Einnahmen dem Verein „Hand in Hand gegen Tay Sachs und Sandhoff“ zukommen zu lassen, der sich für an dieser Krankheit leidende Kinder einsetzt. Der Vorsitzende des Vereins, Volker Quack, wohnte mit seiner Frau und Sohn Dario der Präsentation bei.

Highlight des gelungenen Abends, der das langjährige und unermüdliche Engagement beider Schulen um die europäische Einigung unterstrich, war dann ein von drei Schülerinnen und Schülern sowie Luis Röhr gekochtes aufwändiges Vier-Gänge-Menü, das die Projektteilnehmer den hungrigen Gästen servierten. Stellvertretend für alle Anwesenden zeigten sich MdL Manfred Ländern, MdL Kerstin Celina sowie der stellvertretende Landrat Waldemar Brohm beeindruckt von der Kochkunst sowie der Arbeit der deutschen und polnischen Schüler. „Europa lebt durch und mit dem (kulinarischen) Engagement junger Menschen. Es schafft Begegnungen und bringt Bleibendes hervor, wenn Einigkeit gelebt wird!“- so oder ähnlich könnte das Fazit des Abends lauten!

Interessenten können das Kochbuch im Sekretariat des Deutschhaus-Gymnasiums gegen eine angemessene Spende erwerben.

Text: Carsten Dutz  
Fotos: Michael Pietschmann

Deutsch-polnisches Kochbuch - Impressionen aus dem P-Seminar 20/22

Da gemeinsame Treffen mit den polnischen Projektpartnern aufgrund der Corona-Pandemie zur Zeit nicht möglich sind, wurden die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars von sich aus aktiv und produzierten für die polnischen Freunde einfallsreiche Kochclips zu fränkischen Spezialitäten. Guten Appetit/ Smacznego!

Polnischer Generalkonsul würdigt Schülerarbeit

Im Rahmen der Stolpersteinverlegung für die in der NS-Zeit ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter war der polnische Generalkonsul, Herr Andrzej Osiak, in Würzburg zu Gast. Dem Deutschhaus-Gymnasium liegt die Versöhnung zwischen Polen und Deutschen am Herzen, was in der jahrelangen Kooperation mit dem Kopernikus-Liceum in Tarnobrzeg seinen Ausdruck findet. Jüngstes Produkt der Zusammenarbeit beider Schulen war die Erstellung historischer Stadtflyer in polnischer und deutscher Sprache.

Stadträtin Benita Stolz stellte den Kontakt zu Herrn Osiak her. Und so war es zur Freude der beteiligten Schülerinnen und Schüler der Q 11/ der letztjährigen 10 d möglich, dem Generalkonsul von ihrer ertragreichen Zusammenarbeit mit den polnischen Schülern zu berichten. Abschließend überreichten sie Herrn Osiak ihre aussagekräftigen Flyer persönlich. Der historische Wenzelsaal des Würzburger Rathauses bildete einen würdigen Rahmen. Generalkonsul Osiak, Bürgermeisterin Marion Schäfer und Schulleiter OStD Michael Schmitt würdigten die Arbeit der polnischen wie deutschen Schüler.

Ein herzlicher Dank an alle Beteiligten.

Text: Carsten Dutz
Foto: Michael Pietschmann

Kooperation mit dem Kopernikus-Liceum in Tarnobrzeg (Karpatenvorland/ Polen)

Mehr als 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, fast 30 Jahre nach Ende des Kalten Krieges und fünfzehn Jahre nach der EU-Osterweiterung kennen viele Menschen ihre östlichen Nachbarstaaten allenfalls aus Geschichtsbüchern, aus Erzählungen der Großeltern und die wenigsten von eigenen Kurzreisen in Metropolen wie Prag oder Krakau. Vielmehr erfolgte eine Prägung diesseits der Grenze nach Westen, jenseits nach Osten.

Das Deutschhaus-Gymnasium versucht in Kooperation mit dem Kopernikus-Liceum in Tarnobrzeg (Karpatenvorland/ Polen) diesen Zustand zu verändern und zwar dort, wo die Zukunft liegt, nämlich bei den jungen Menschen selbst und den Leuten, die sie ausbilden, ihren Lehrerinnen und Lehrern. Aufbauend auf persönliche Kontakte ergab sich schließich eine inzwischen seit Jahren bestehende vertrauensvolle Zusammenarbeit, ersichtlich in erfolgreich durchgeführten Schulprojekten:

  • Dem Strategiespiel POL&IS: Einem Modell, das die Vereinten Nationen und internationale Beziehungen abbildet. Ziel des Seminars war es, dass die Teilnehmer verstehen, unter welchen Bedingungen politische Entscheidungen entstehen und wie wichtig es ist, das Weltgeschehen zu verfolgen, um entstehende Konflikte zu erkennen und sie frühzeitig lösen zu können.
  • Dem Projekt „Two neighbours - one perspective“: Ein über die europäische etwinning-Plattform vorbereitetes und dann in Polen durch-geführtes Projekt, in dem es darum ging, Kenntnisse über die Geschichte Polens und Deutschlands zu erwerben und Verständnis für die unterschiedlichen Auffassungen von historischer Betrachtung zu gewinnen. Gleichzeitig wurde das Kennenlernen Polens durch Besuche etwa in Krakau oder Auschwitz ermöglicht. Das Projekt wurde in beiden Ländern als „wertvoll“ ausgezeichnet.
  • Einem Gedenktafelprojekt in Tarnobrzerg zu Ehren des in Auschwitz inhaftierten und später in Bergen-Belsen ermordeten Künstlers Marian Ruzamski sowie eine Stolpersteinverlegung in Würzburg für Sally und Käthe Heippert.
  • Der Durchführung eines in Kooperation mit dem Aktionsbündnis „Stolpersteine“ organsierten Präsentationsabends im jüdischen Zentrum „Shalom Europa“ in Würzburg zu den bisherigen Ergebnissen der Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler; an diesem Abend waren auch polnische Schülerinnen und Schüler sowie der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Herr Dr. Schuster, zugegen.
  • Mehreren Teamteaching- und Hospitationsprogrammen zwischen deutschen und polnischen Lehrkräften.
  • Einem Projekt zur Erstellung touristischer Stadtflyer zur Geschichte Tarnobrzegs und Würzburgs in der jeweiligen Landessprache. Dabei stellten die Schülergruppen jeweils fünf prägende Schlaglichter der eigenen Stadtgeschichte für die ausländischen Schüler dar. Diese reduzierten dann die Thematik auf Flyergröße und bereiteten sie in ihrer Muttersprache auf.

Erfreulich dabei war es, dass die Schülerinnnen und Schüler alle Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit sowohl in Deutschland als auch in Polen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen durften. Eine Intensivierung der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Kopernikus-Liceum und dem Deutschhaus-Gymnasium ist als Baustein des Profils beider Schulen fest geplant.

Carsten Dutz, OStR