Das Profil des Faches Latein

Jack Ma, der CEO des größten Handelskonzerns der Welt "Alibaba",  wurde auf dem Weltwirtschaftsforum 2018 in Davos gefragt, wie er - als ausgebildeter Englischlehrer - zum Thema Bildung steht. Die überraschende Antwort: Kinder sollten das lernen, was Maschinen niemals können und was sie von diesen unterscheidet - auch in Zukunft. Als Beispiele nennt er "Werte, Überzeugung, unabhängiges Denken, Mitgefühl" - Dinge, die der Lateinuntericht in besonderer Weise vermitteln kann. Wer mit Horaz gelacht, mit Catull an der Liebe gelitten, mit Cicero politisch gekämpft hat, der ist vielleicht auf dem Weg, gerade über die Erfahrung der Andersheit der Antike, zu den von Ma angesprochenen Bildungszielen.

  Latein ist das älteste Fach des Gymnasiums, es ist zugleich heute das einzig spezifische Gymnasialfach. Am Deutschhaus-Gymnasium wird es ausschließlich ab der 6. Klasse als 2. Fremdsprache, die sowohl den sprachlichen wie auch den naturwissenschaftlichen Zweig als Option offenhält, angeboten. Mit der Wahl der spät beginnenden Fremdsprache nach der 9. bzw. ohne Bedingungen nach der 10 Jahrgangsstufe kann es abgelegt werden. Es bietet den Schülerinnen und Schüler einen Zugang zu Wurzeln und Grundlagen der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte. Das Erlernen der Sprache führt zu einem ausgeprägten Sprachbewusstsein, das auch für das Deutsche und die modernen Fremdsprachen nützlich ist. Im Literaturunterricht ab Jahrgang 9 erfahren die Schülerinnen und Schüler an zentralen Texten aus den Bereichen Geschichtsschreibung, Politik, Philosophie, Dichtung und Mythologie, wie die Denkmodelle der Antike sowohl in Kontrast wie in verblüffender Übereinstimmung zu ihrer eigenen Lebenswelt stehen können, so dass sich ihnen die Tiefe der Tradition lebendig eröffnen mag.

Latinum

Mit dem KMS vom 13.01.08 stellt sich die Sachlage für das G8 so dar:

  • Das sogenannte „Kleine Latinum“ wird bei mindestens Note 4 im Jahreszeugnis der Jahrggangsstufe 9 erreicht. Dies Kleine Latinum wird in der neuen LPO I z.B. für das Studium des Lehramts am Gymnasium in den Fächern Deutsch, Geschichte, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch als fachliche Zulassungsvoraussetzung gefordert.
  • Das sogenannte Latinum wird in Jahrgangsstufe 10 bei mindestens Note 4 im Jahreszeugnis erreicht. Es ist nach wie vor in gewissen Fächern Studien- bzw. Prüfungsvoraussetzung (vgl. dazu www.altphilologenverband.de). Im Zusammenhang mit der Frage, ob die Schülerin oder der Schüler eine spätbeginnende Fremdsprache (am DHG: Spanisch) erlernen soll, lässt sich feststellen, dass der Aspekt Latinum nicht mehr sehr ins Gewicht fällt.  

Antike erfahren

Am DHG sind im Rahmen des Stufenkonzepts der Schule bzw. im Rahmen des Unterrichts folgende Aktivitäten vorgesehen:
Jahrgangsstufe 6: Besuch des Martin-von–Wagner-Museums
Jahrgangsstufe 10: Limes-Exkursion (Saalburg/ Weißenburg etc.)
Oberstufe: Studienfahrt nach Rom
Alle Jahrgangsstufen: Studientag Latein (Theater, Spiel, Rätsel, Realienkunde etc.)
Darüber hinaus ergänzen außerschulische Angebote sowie die Arbeit mit den Realien aus dem Fundus der Fachschaft  diesen erlebnisbetonten Zugang zu Latein.

Literatur

Wilfried Stroh: Latein ist tot, es lebe Latein. Kleine Geschichte einer großen Sprache. Berlin 2007
Karl-Wilhelm Weeber: Romdeutsch. Frankfurt 2006 Tore Janson: Latein. Hamburg 2006

Aktivitäten

Ovid und seine Werke der Leidenschaft

Im Schuljahr 2017/2018 konnte die Klasse 10ab den lateinischen Dichter Ovid über den eigentlichen Unterricht hinaus kennenlernen. Hierzu besuchte sie die Sonderausstellung des Martin-von-Wagner-Museums „Ovid – Amor fou. Zwischen Leidenschaft und Lächerlichkeit“ in der Würzburger Residenz und begrüßte kurz darauf Herrn Prof. Baier des Lehrstuhls für Klassische Philologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg am Deutschhaus-Gymnasium. Im Museum konnten die Jugendlichen anhand von Gemälden aus verschiedenen Epochen mit unterschiedlichem moralischen Zeitgeist die Entwicklung der Darstellung der ihnen aus dem Unterricht bekannten Mythen in der Kunst entdecken und nachvollziehen. Hierbei handelte es sich wie für Ovid typisch um Liebesgeschichten, bei denen immer wieder der Liebesgott Amor seine Finger im Spiel hat. Auch Herr Prof. Baier stellte den Schülerinnen und Schüler in seinem Vortrag „Erotisierung und Verbürgerlichung des Mythos in Ovids Werken“ Ovid als einen Autor vor, dessen Werke sich immer wieder um Erotisierung und Leidenschaft drehen und der sein Augenmerk auf Randgeschichten legte und der selbst Götter auf eine lächerlich verbürgerlichte Weise darstellen konnte.

S. Köse

Vorsicht – Römer entlaufen!

Römertage am DHG (26. - 28. Juli)

Wer in der letzten Schulwoche des Schuljahres einen echten Römer durch das DHG streifen - falsch: schneidig marschieren! - sah, rieb sich womöglich verwundert die Augen oder überprüfte verblüfft mit einem raschen Blick auf das Smartphone das aktuelle Kalenderjahr.
Alles gut. Wir befinden uns immer noch in 21. Jahrhundert!

Dass aber die Römer auch heute noch lebendig sind, konnten vor allem die 6. Klassen feststellen. Denn für diese hatten die Fachschaften Geschichte und Latein ein Römerprojekt organisiert. Auf dem abwechslungsreichen Programm standen eine Exkursion in das Römer- und Limesmuseum Osterburken sowie verschiedene Stationen, an denen die Schüler und Schülerinnen u.a. Zahlenspiele nach Art der Römer ausprobieren konnten oder selbst einen Limesturm rekonstruierten.
Und wie verwickelt es war, sich äußerlich in einen Römer zu verwandeln, konnten sie ebenfalls am eigenen Leib erfahren. Manch eine(r) hätte tatsächlich einen eindrucksvollen Senator abgegeben!
Ein Spectaculum im besten Sinne brachte übrigens die Klasse 6a auf die Bühne: Unter Anleitung ihres Lehrers Herrn Südbeck führte sie ein eigenes Theaterstück in lateinischer (!) Sprache auf, in dem ein Delfin eine nicht unwesentliche Rolle spielte. Hut ab oder Daumen hoch, wie es die Römer vielleicht zum Ausdruck gebracht hätten!

Auf jeden Fall fühlten sich diese letzten Schultage vor den ersehnten Sommerferien dank der Römertage viel kürzer an und haben sowohl Schülern und Schülerinnen als auch den Lehrern Spaß gemacht. Die Auspizien scheinen daher günstig für eine Wiederholung im jetzigen Schuljahr!

Text: K. Bayer / Fotos: M. Pietschmann

PS.: Dem Hörensagen nach soll auch der römische Soldat wieder in seine Zeit zurückgefunden haben, um nächstes Jahr erneut den Sprung durch die Jahrtausende zu uns ans DHG zu wagen.