Fachprofil

Bedeutung und Selbstverständnis des Faches

Das Fach Ethik unterstützt die Suche junger Menschen nach einer verlässlichen moralischen Orientierung in der Welt von heute. Es basiert auf der Grundsituation, dass Menschen für ihr Handeln auch eine ethische Entscheidungskompetenz benötigen.
Im Ethikunterricht steht neben dem Erwerb von Wissen über Religionen, Weltanschauungen und Menschenbilder im Mittelpunkt ein Motivation förderndes Lernen, etwa durch das Einüben in den Perspektivwechsel, so dass die Schülerin und der Schüler zur Übernahme von Verantwortung befähigt und bereit ist. Dabei greift der Ethik-Unterricht oft auf Aussagen der Anthropologie, der Psychologie, der Philosophie etc. zurück.

Formalia

Für Schülerinnen und Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, ist der Ethikunterricht Pflichtfach. Er wird in der Regel am Deutschhaus-Gymnasium eingerichtet, wenn mindestens fünf Schülerinnen und Schüler im Jahrgang Ethik wählen. Allerdings muss mit jahrgangsübergreifenden Gruppen gerechnet werden. In der Oberstufe ist der Kurs, der auch abiturfähig (schriftlich wie mündlich) ist, traditionell verankert. Ein Wechsel vom Religions- in den Ethikunterricht und umgekehrt ist durch einen formlosen Antrag an die Schulleitung (Stichtag: Letzter Unterrichtstag des Schuljahrs) zum jeweiligen Schuljahrsbeginn möglich.

Wer Ethik als Abiturfach wählen möchte, muss die Jahrgangsstufen 10 bis 12 belegt haben. "Neueinsteiger" in der 11. Jahrgangsstufe können zu Beginn von 11/1 beim Kursleiter eine Feststellungsprüfung über den Stoff der 10. Jahrgangsstufe ablegen, um die Abiturberechtigung zu erlangen.

Interreligiöser Dialog im Ethikunterricht

Die Ethikschülerinnen und Schüler der 10. KIassen machten am 13. 7. 2018 unter Aufsicht von Herrn Dettmar eine Exkursion zum Institut für Philosophie im Südflügel der Würzburger Residenz, um sich dort mit dem Philologen, Philosophiehistoriker und Arabisten Dag Nikolaus Hasse zu treffen.
Herr Prof. Hasse ist der Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie III der Universität Würzburg. 2016 erhielt er für seine Forschung zur arabischen Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte und dem arabischen Einfluss in Europa den Leibniz-Preis von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verliehen.
Herr Hasse hielt an diesem Morgen nicht nur einen interessanten Vortrag über wichtige arabische Philosophen des Mittelalters wie beispielsweise Averroes und Avicenna und die lange Historie des Aufeinandertreffens von Orient und Okzident am Beispiel von Córdoba, sondern klärte die Schülerinnen und Schüler auch über seine aktuelle Forschung auf und stellte Philosophie als Studienmöglichkeit nach dem Abitur vor.
Anschließend stellte sich Prof. Hasse einer Diskussionsrunde zum Thema „Konflikte zwischen Orient und Okzident“ als Gesprächspartner zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler, die sich davor bereits in Kleingruppen zu bestimmten Unterthemen informiert und so die nötige Sachkenntnis angeeignet sowie Fragen formuliert hatten, nahmen interessiert daran teil.
Diese authentische Form der Wissensaneignung war sicherlich sinnvoller und effektiver als fünf reguläre Schulstunden es je sein könnten.

(Text: Leon R., 10c)

Artikel als pdf zum Download


Abb.1 Institut für Philosophie im Südflügel der Würzburger Residenz (Foto: C. Dettmar)
Abb.2 Avicenna, 13. Jh.
Abb.3 Diskussion im Bibliotheksraum (Foto: C. Dettmar)

 

Exkursion zu den Weltreligionen

Am 10.7.2018 traf sich der Ethik-Kurs 9a-m an der Würzburger Residenz zu einer Exkursion, die durch die Weltreligionen führte.
Im Ethikunterricht bei Herrn Dettmar hatten wir zuvor die Vielfalt der fünf Weltreligionen Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam und jeweilige Ausschließlichkeitsansprüche kennen gelernt. Dabei stellte sich uns die Frage, ob eine Verständigung zwischen den Vertretern unterschiedlicher Religionsgemeinschaften überhaupt möglich ist. In Frau Graff, die am Institut für Philosophie und Religion der Universität Würzburg die Hauptvorlesung zu den Weltreligionen hält, fanden wir dazu eine kompetente Gesprächspartnerin.
In vier Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten versuchten wir uns dieser Problematik zu nähern:

  • Wie befasst man sich im Studiengang „Philosophie und Religion“ an der Universität Würzburg mit den Weltreligionen?
  • Gibt es angesichts der weltpolitischen Spannungen Chancen auf eine Verständigung zwischen Orient und Okzident?
  • Was ist das „Projekt Weltethos“ und welche Ethiker befassen sich damit?
  • Gibt es ein ethisches Minimum, das alle Menschen einen kann?

Die ersten drei Themen besprachen wir bei einem gemeinsamen Spaziergang durch den Würzburger Residenzgarten.
Im Institut für Philosophie und Religion der Universität Würzburg betrachtet man das Phänomen Religion nicht aus theologischer
Sicht mit konfessioneller Bindung, sondern aus einer religionswissenschaftlich-vergleichenden und ethischen
Perspektive. Im Zentrum des Interesses standen in den letzten Semestern die drei Abrahamsreligionen Judentum, Christentum und Islam sowie fernöstliche Religionen wie der Buddhismus.
Zu den Chancen auf eine Verständigung zwischen Orient und Okzident angesichts der immer wieder auflodernden gewaltsamen Auseinandersetzungen im Nahen Osten angesprochen, verwies uns Frau Graff auf die komplexe politische Gemengelage dieser Konflikte. Vertreter des Instituts für Philosophie bemühen sich bereits seit über 15 Jahren über die Mitarbeit in einem interreligiösen Gesprächskreis um einen Ausgleich.
In einem internationalen Rahmen bemüht sich der bekannte Kirchenkritiker Hans Küng um eine Verständigung zwischen den Weltreligionen als Basis für einen dauerhaften Weltfrieden. Auf Küngs Projekt Weltethos waren wir bereits durch ein Kapitel in unserem Ethikbuch gestoßen. Frau Graff zeigte uns anhand ausgewählter Originalquellen auf, dass die Arbeit Küngs eine längere religionswissenschaftliche Vorgeschichte hat. Wichtige Grundgedanken wurden bereits 1893 beim Ersten Parlament der Religionen in Chicago erarbeitet. Erst 100 Jahre später, im Jahre 1993, trat das Parlament der Weltreligionen das zweite Mal zusammen. Unter Beteiligung von 6.500 Menschen der verschiedensten großen und kleineren Religionen diskutierte und verabschiedete das Parlament der Weltreligionen in Chicago die von Küng entworfene Erklärung und sprach sich somit für ein Weltethos aus. 200 Vertreter aus allen Weltreligionen unterzeichneten schließlich die Erklärung. Damit verständigten sich erstmals Repräsentanten aller Weltreligionen auf Kernelemente einer gemeinsamen Wertebasis. Eine weitere Ausarbeitung wird diese bei einer Folgekonferenz im Herbst 2018 in Toronto finden, wo das Parlament der Weltreligionen als nächstes tagt. Dort werden 10000 Teilnehmer aus 80 Nationen erwartet.
So blieb noch die Frage zu klären, worin das Weltethos inhaltlich besteht. Dies diskutierten wir größtenteils in der Bibliothek des Instituts für Philosophie am Josef-Stangl-Platz, worauf wir uns bei unserem Spaziergang langsam zubewegt hatten. Das Weltethos versucht ein kulturenübergreifendes ethisches Minimum zu finden, also eine Art Mindestmaß an Benehmen, Manieren, Kultur und Menschlichkeit. Bei der Erklärung zum Weltethos von 1993 einigten sich die Teilnehmer auf das Prinzip Menschlichkeit, die „Goldene Regel“ und die „vier unverrückbaren Weisungen“: Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit sowie Partnerschaft und Gleichberechtigung von Mann und Frau. Mit einigen dieser Ideen und Orientierungsmarken haben wir uns bereits im Ethikunterricht auseinandergesetzt, andere werden sicher noch folgen.
Bei der unsere Exkursion abschließenden Fragerunde erfuhren wir auch das Spezialgebiet, an dem Frau Graff forscht: Schamanismus. Unser Ethiklehrer erwähnte in diesem Zusammenhang einen prominenten Anhänger des Schamanismus, den umstrittenen, bereits in jungen Jahren verstorbenen Sänger der Rockgruppe The Doors, Jim Morrison. Dieser behauptete, dass bei einem schweren Verkehrsunfall, bei dem mehrere Indianer starben und den er als Vierjähriger beobachtet hatte, die Seelen von toten Indianern in seinen Körper gewandert seien. Dies inspirierte ihn offenbar dazu während seiner späteren Karriere als Rockstar mit seinen Songs in verborgene Dimensionen der Wirklichkeit vorzudringen. Bei seinen Auftritten bezeichnete er sich als „Schamane“ oder „Eidechsenkönig“ und trug einen Conchagürtel der Navajo-Indianer. Schnell entstand ein Mythos um seine Person.
Frau Graff betonte, dass in religionswissenschaftlichem Sinne ein Schamane eine Art religiöser Meister sei, der u. a. mit Geistern in Verbindung treten oder als Medizinmann Krankheiten heilen könne. Insofern versucht der Schamane einen kaputten Zustand zu beheben und wieder heil zu machen. In gewisser Weise versuchen die Mitglieder des Parlaments der Weltreligionen dies auch, denn sie wollen eine von Krieg und Selbstzerstörung bedrohte Welt durch eine spirituelle Umkehr befrieden.

Text: Henning W. (9b), C. Dettmar

Artikel als pdf zum Download

Abb.1 „Morgenstund hat Gold im Mund“ – aufgeweckter Ethik-Kurs 9a-m am Frankonia-Brunnen vor der Würzburger Residenz (Foto: C. Dettmar)
Abb.2 Würzburger Residenzgarten (Foto: C. Dettmar)
Abb.3 Weltethos (abrufbar unter: www.weltethos.org/erkl%c3%a4rung%20zum%20weltethos)

 

Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay

Der jährliche philosophische Essay-Wettbewerb besteht aus drei Stufen: dem Bundes- und Landeswettbewerb, der Winterakademie in Münster und der Internationalen Philosophie-Olympiade. Hierbei wählt man ein Thema aus vier Themen aus.

Die fünf Kriterien der Bewertung des Essays sind:

  1. Relevanz für das Essay-Thema,
  2. philosophisches Verständnis des Themas (nicht unbedingt fachwissenschaftliche Korrektheit),
  3. argumentative Überzeugungskraft,
  4. Kohärenz (innere Stimmigkeit),
  5. Originalität.

Erfolgreiche Essays

(maximal vier Seiten lang, Times New Roman, 12 pt, drei Zentimeter Rand, einzeilig geschrieben)

  • formulieren meist mit klaren Begriffen eine klare These zum vorgegebenen Zitat
  • überzeugen ihre Leser v. a. mit klugen Argumenten
  • sorgen mit Beispielen für Anschaulichkeit
  • verwenden fachgerechte Quellenangaben und verzichten in der Regel auf unwissenschaftliche Quellen

Es kann helfen, Alternativpositionen darzulegen; diese dürfen dann aber auch polemisch angegriffen werden.
Nähere Auskünfte zu den Bewertungskriterien und zusätzliche Tipps könnt ihr von Herrn Dettmar erhalten.
Einsendeschluss: jeweils im Dezember

Die Einsendung der Essays soll nach Vorentscheidung an der Schule gebündelt auf postalischem Weg über den Ethik-Fachlehrer erfolgen.
Im Kopf jeder abgegebenen Arbeit sollten der Name der Verfasserin bzw. des Verfassers, die Jahrgangsstufe, der Name der zuständigen Lehrkraft, die Schul- und Privatadresse (möglichst mit E-Mail) angegeben werden.

Am Ende des Essays soll folgende Erklärung stehen:
Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen benutzt habe und alle Entlehnungen als solche gekennzeichnet habe. (Unterschrift)

Interessierte Schülerinnen und Schüler der 10.-12. Jahrgangsstufe können zusätzliche Informationen auch bei den Ethik- und Philosophie-Lehrern des DHG bzw. auf der DHG-Homepage > Fachschaft Ethik erhalten.
Bei der 2. Runde (meist Februar) werden aus den besten Essayschreibern die beiden deutschen Vertreter für die Internationale Philosophie-Olympiade ermittelt. Außerdem werden die fünf erstplatzierten Essayschreiber zum Aufnahmeverfahren der Studienstiftung des deutschen Volkes eingeladen und bekommen ein Jahresabonnement der Zeitschrift „Philosophie-Magazin“.

Hier noch ein Bonmot zum Abschluss: Auf die Frage „Was ist ein Essay?“ antwortete der Essayist Hans Magnus Enzensberger: Ich verstehe darunter einen diskursiven Text, bei dem ich am Anfang noch nicht weiß, was am Schluss dabei herausspringt. Es kommt, wie der Name schon sagt, auf den Versuch an.  (Zeit-Magazin, 12.8.2010)

Anleitungen bzw. Hilfe zum Schreiben eines philosophischen Essays:

Anfänger
Fortgeschrittene

Umweltethische Exkursion der Klassen 8b/d/m

 

Im Sinne einer Vertiefung unserer umweltethischen Unterrichtsthematik versuchten die Schülerinnen und Schüler des Ethikkurses 8b/d/m am 22.6.2018 die Umweltstation der Stadt Würzburg einmal von einer anderen Seite als der allgemein Üblichen kennen zu lernen. Unser Ethiklehrer, Herr Dettmar, hatte zuvor die dortigen Ansprechpartner Anja Knieper und Jakob Sänger um einen Termin mit nichtbiologischem Schwerpunkt gebeten, worauf man dort auch nach genauerer Klärung bereitwillig einging.

Nach der Begrüßung durch Herrn Sänger und einem sich anschließenden kurzen Lichtbildvortrag, starteten wir die von uns vorgeschlagene Diskussionsrunde, für die wir bereits in der Schule vier Arbeitsgruppen eingeteilt hatten.

Besonders interessiert waren wir an der umweltethischen Einstellung der Mitarbeiter der Umweltstation. Diese lässt sich drei Orientierungen zuordnen, nämlich

    dem Anthropozentrismus, in dem der Mensch im Vordergrund und somit über der Natur steht und diese zu seinen Gunsten nutzt
    dem Pathozentrismus, in dem die Interessen aller leidensfähiger Lebewesen berücksichtigt werden
    dem Biozentrismus, der alles, was zur Natur gehört – somit auch den Menschen – ,in seinem Eigenwert anerkennen und bewahren will.

Für die Umweltstation stellvertretend erklärte Herr Sänger, dass deren Mitarbeiter am ehesten nach einer Art hierarchischem Biozentrismus handeln würden, das heißt, dass sie jedem Lebewesen in der Natur einen moralischen Eigenwert zuordnen, solange keine Widersprüche auftreten (ein Beispiel wären die Erreger verschiedener Krankheiten, die zwar auch ein Produkt der Natur sind, jedoch andere Lebewesen gefährden). Auch meinte er, dass jedes lebende Individuum wichtig sei und eine Rolle spiele, da in der Natur so viele Wechselbeziehungen herrschen, dass sich Konsequenzen verschiedener Ereignisse oder Handlungen kaum absehen ließen, zum Beispiel, was das Aussterben verschiedener Arten mit sich bringe. Außerdem betonte er, dass der Umweltstation die Bewahrung bzw. Wiederherstellung von wichtigen Lebensräumen am Herzen liege, da sich das zu Gunsten vieler Lebewesen auswirke, und die Nachhaltigkeit von großer Wichtigkeit sei.

Die drei großen Bereiche, die die Mitarbeiter der Umweltstation mit ihrer Arbeit in Einklang bringen wollen, sind die Ökologie, die Frage nach dem Wohl der Umwelt, die Ökonomie, also die Wirtschaft und die sozialen Aspekte, die uns Menschen betreffen. Herr Sänger erklärte, dass die Berücksichtigung aller drei nur möglich sei, wenn man alle umweltethischen Einstellungen, also Bio-, Patho- und Anthropozentrismus zusammennähme und einen Mittelweg zwischen ihnen fände.

Eine kurze Führung zum Neubau der Umweltstation und über das Freigelände mit seinen Wildbienenhotels rundete unsere Exkursion ab und zeigte uns am Beispiel des Wildbienenschutzes, dass jeder bereits im Kleinen mit der Umsetzung umweltethischen Gedankenguts beginnen kann.

(Text: Alice Anders und Christian Dettmar)

Abb.1 Würzburger Umweltstation – vis-à-vis zum DHG (Foto: Alice Anders)

Abb.2 Die neue Umweltstation entsteht (Foto: Alice Anders)

Abb.3 Besuch bei den geflügelten Gästen der Umweltstation (Foto: Alice Anders)

 

Zukunftspreis der Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen

Die Ethik- und Biologie-Fachschaften freuen sich über die Nominierung für den Cornelsen Zukunftspreis.
Die Urkunde wurde uns für das Projekt „Faszination Unterwasserwelt“ verliehen, das die Kollegiaten von Herrn Dettmar in Zusammenarbeit mit Studierenden der Museologie von der Universität Würzburg im Schuljahr 2016/17 durchgeführt haben.
Die zugehörige Ausstellung war im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2017 im Februar am Deutschhaus-Gymnasium und im Juni im Würzburger Rathaus zu sehen.
Am 9.9.2018, dem Tag des offenen Denkmals, wird die Ausstellung nach Auskunft von Prof. C. Stigloher passend zum nassen Element der Meere im Wasserschloss Erlach bei Ochsenfurt zu sehen sein (Schwarzenbergstr. 29, 97199 Erlach).
(Text und Fotos: C. Dettmar)

Ethik-Fachfachschaft erhält 500-€-Preisgeld

„Was-wir-schon-immer-mal-machen-wollten-wofür-aber-kein-Geld-da-war!“ hieß das Motto des 1.Würzburger Schulwettbewerbs im Schuljahr 2017/18, an dem 29 Schulen teilnahmen.
„Da gibt es sicherlich viel, was man machen könnte“, dachten wir uns in der Ethik-Fachschaft, als wir den Aufruf zur Teilnahme erhielten.
Dann aber ging es weiter: „Pfiffig, nachhaltig, sorgfältig geplant und realisierbar solle eine Erfolg versprechende Projektidee sein, etwas Neues unterstützen und die Mitwirkung vieler Beteiligter an der Schule ermöglichen“.
Das fanden wir schon griffiger und so entstand das Konzept zu Schüler bitten zum Interview – Ethiker und Philosophen bekennen Farbe.

Unsere Projektidee – kreativ und digital

Es fällt gelegentlich schwer, sich mit bedeutenden Ideen aus Ethik und Philosophie auseinanderzusetzen. Manch lohnenswerter Text weist einen recht anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad auf, weshalb aber niemand gleich verzagen sollte.
Als Möglichkeit zur Förderung der Motivation und Vertiefung des ethischen und philosophischen Wissens und Begreifens wird in der didaktischen Fachliteratur die Interview-Technik empfohlen, die bei uns nun in neuartiger Kombination mit einer professionellen Gesichtsanimations-Software angewendet werden soll. Damit können klassische, aber leider bereits verstorbene Denker wieder zum Leben erweckt und zum Interview gebeten werden. Hier können sie sich dann zu klassischen oder aktuellen Problemen wie z. B. Gerechtigkeit oder Fake News in ihrer eigenen oder in einer den heutigen Verhältnissen angepassten Sprachform äußern.
Die im Video auftretenden Personen können mit Hilfe der Software lippensynchron animiert werden. Überdies können die gesprochenen Worte durch die Animation von Mimik und Gestik betont und so die Performanz optimiert werden. Durch zusätzliche Hintergrundgeräusche lässt sich die Szenerie noch realitätsnäher gestalten. Auch virtuelle Kamerafahrten sind möglich, um die Dramatik zu steigern und die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu lenken. Das Interview lässt sich auch in eine Rahmenhandlung einbetten, in der Schülerinnen und Schüler beispielsweise eine Zeitreise zu Platon nach Athen oder nach England zu Bentham und Mill antreten.

Kooperation mit der Universität Würzburg

Ein Probevideo mit dem großen deutschen Aufklärer Immanuel Kant vor der Würzburger Residenz liegt bereits vor und dürfte schon einigen altgedienten Ethik-Schülerinnen und -Schülern bekannt sein.
Ein gelungenes Interview erfordert natürlich auch Kenntnisse zu wesentlichen Aussagen, Theorien und der Denkweise des jeweiligen Ethikers bzw. Philosophen. Diese können z.B. im Unterricht bzw. über eine Exkursion zum philosophischen Institut der Universität Würzburg grundgelegt werden. Dort hat man auf Anfrage vonseiten der Ethik-Fachschaft die Bereitschaft zu einer Unterstützung bekundet

(Text: C. Dettmar)
 
 

Zukunftswerkstatt Europa – Verständigung zwischen christlich und muslimisch geprägten Menschen in einem künftigen Deutschland

Im Rahmen des vom Deutschen Akademischen Austauschdiensts koordinierten Programms „Europa macht Schule“ führte der Ethik-Kurs der 7. Jahrgangsstufe bei Herrn Dettmar das Projekt „Zukunftswerkstatt Europa“ durch. Insgesamt 30 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 7 a-m befassten sich mit der Frage, wie ein friedliches und gedeihliches Miteinander bei einem Anhalten des Flüchtlingsstroms aus der Perspektive der Ethik-Schülerinnen und -Schüler möglich ist.

Entstehung des Projekts: Nachdem die Weltreligion  „Christentum“ bereits in der 6. Klasse durchgenommen worden war, stand in diesem Schuljahr der Islam auf dem Lehrplan. Angesichts dieser Vorgabe und des ungebrochenen Flüchtlingsstroms meldete Herr Dettmar im Herbst 2016 den Ethik-Kurs bei einem Treffen mit den Koordinatoren im Würzburger Rathaus an. Auf Wunsch bekamen wir einen muslimischen Studenten zugeordnet (insgesamt betrachtet waren es sogar zwei, da sich der erste, ein kurdischer Amerikanistikstudent, entschied, nur noch für das WS 2016/17 in Deutschland zu bleiben). Das Projekt sollte zwischen Dezember und Mai mit dem Stichtag 9.5.2017, dem Europatag, durchgeführt werden. Drei bis fünf Besuche des Studenten sollten erfolgen.

 

Unsere Projektidee kam folgendermaßen zustande: In den Nachrichten hört man immer wieder, dass viele Flüchtlinge aus dem Süden und Osten nach Deutschland kommen. In ihren Heimatländern gibt es Krieg und es herrscht dort Verfolgung und große Not. Viele von den Flüchtlingen sind Moslems.
In den Nachrichten hört man auch, dass viele Deutsche sehr hilfsbereit sind. Manche Deutsche lassen sogar Flüchtlinge bei sich zu Hause wohnen. Auch in unserem Ethik-Kurs gibt es einen Schüler, dessen Familie einen Flüchtling aufgenommen hat.

Ein Teil der Bevölkerung ist jedoch gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge und gegen die Gewährung von Asyl, obwohl dies von unserem Grundgesetz so vorgesehen ist. Wiederholt gab es Anschläge auf Flüchtlingsheime und man spricht von einer zunehmenden Fremdenfeindlichkeit, insbesondere gegen Moslems.
Durch den Flüchtlingsstrom sind schon viele Ausländer zu uns gekommen. Weitere werden kommen. So wie bei der Einwanderung der Gastarbeiter vor 50 Jahren sind viele davon Moslems. Dadurch werden in den kommenden Jahren immer mehr Moslems und Christen aufeinander treffen. Bei unserem Projekt „Zukunftswerkstatt“ wollten wir uns daher überlegen, wie eine Integration und ein gedeihliches Miteinander der Christen und Moslems in Deutschland möglich sind und dazu Lösungsvorschläge unterbreiten.
Bei unserer Suche nach Möglichkeiten zu einem Miteinander und für eine Verständigung half uns neben unserem Ethiklehrer der 23-jährige Flüchtling Qusai Alnesr, der ein gläubiger Moslem ist. Er floh vor zwei Jahren aus dem Bürgerkriegsland Syrien und kam mit seinem Bruder zu Fuß nach Deutschland. Zurzeit lernt Qusai sehr intensiv und erfolgreich deutsch, damit er bald an der Fachhochschule ein Studium aufnehmen kann.

Noch bevor Qusai das erste Mal zu uns ans Deutschhaus-Gymnasium in den Ethikunterricht kam, stiegen wir in eine Vorbereitungsphase ein. Dabei zeigte uns unser Ethiklehrer an einigen Beispielen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Weltreligionen „Christentum“ und „Islam“ auf. Wir untersuchten auch den Anfang des deutschen Grundgesetzes, das für unseren weltlich ausgerichteten Rechtsstaat prägend ist. Es zeigte sich, dass sich die Haltung gegenüber Religion und Recht oftmals deutlich erkennbar auf die Lebensweise und besonderen Werte bei Christen und Moslems auswirkt.

Recht schnell bildeten sich während der nun folgenden Problemfindungsphase die Arbeitsgruppen. Folgende Schwerpunkte nahmen wir uns vor:

-        Familienehre
-        Rolle der Frau
-        Toleranz und Intoleranz
-        Scharia und Dschihad
-        Streit um den Moscheebau
-        Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit
Außerdem bildete sich eine Arbeitsgruppe für eine Meinungsumfrage, die die Kenntnisse der Deutschhaus-Schülerinnen und Schüler zum Islam untersucht.
In der nun folgenden Fantasiephase nutzten wir unseren Computerraum. Dort recherchierten die Arbeitsgruppen zu ihrem jeweiligen Thema und suchten nach Bildmaterial.
Herr Dettmar teilte uns Hintergrundinformationen aus dem Buch „Von Kopftuch bis Scharia“ von dem Islamkenner John L. Esposito aus.
Außerdem inspirierte uns Qusai durch seinen Vortrag zu den fünf Säulen des Islam, in dem es um die fünf zentralen Werte des Moslems geht. Darüber konnten wir auch mit Qusai, der diese Werte in seiner Lebensführung umsetzt, im Anschluss an seinen Vortrag diskutieren. Wir erkannten so verschiedene Möglichkeiten und Tendenzen.

Bei der nun folgenden Verwirklichungsphase entschlossen wir uns für eine Ausstellung mit Plakaten. Bei den Themen der Arbeitsgruppen sollten jeweils die Argumente der Befürworter und der Gegner gegenübergestellt werden. Dies war auch durch Bildmaterial zu veranschaulichen. Über die Diskussion mit Qusai sollte dann ein möglicher Kompromiss für ein gedeihliches Miteinander zwischen christlich, weltlich und muslimisch geprägten Menschen gefunden werden.
Bei unserem Projekt „Zukunftswerkstatt Europa“ ging es darum eine eigene Vision von einer wünschenswerten Zukunft zu entwickeln. Mit Problembewusstsein, Fantasie und Experimentierfreude versuchten wir die beiden uns leitenden Fragen zu beantworten:
-        Wie kann eine bessere Zukunft aussehen?
-        Welche Wege führen dort hin?
Mehr dazu kann man bei unserer Ausstellung am DHG erfahren. Am 29. Mai folgt eine Präsentation im Internationalen Haus bei der Festveranstaltung des DAAD. Zu unserem Projekt ist auch ein Video mit Qusai entstanden.

C. Dettmar

Hier der Artikel zum Download

Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik

Der Ethikkurs der Klassen 7a-m bei Herrn Dettmar freut sich über seinen Erfolg beim Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik „Alle für Eine Welt – Eine Welt für alle“.

Die 30 Schülerinnen und Schüler werden für ihr großes Engagement jeweils persönlich mit Urkunden des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Herrn Dr. Gerd Müller, ausgezeichnet.

Text: C. Dettmar

Timon gewinnt beim bundesweiten Philosophischen Essay-Wettbewerb 2016/17

Mit großer Freude nahmen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gleich nach den Winterferien die gute Nachricht aus dem Mutterland des gymnasialen Philosophierens entgegen. Timon aus unserer Q12 war es mit seinem philosophischen Essay „Über die Krise der politischen Freiheit“ gelungen die Jury des Philosophischen Essaywettbewerbs aus Nordrhein-Westfalen zu überzeugen. Sein Beitrag wurde aus über 1000 bundesweit abgefassten Essays ausgewählt. Dies ist umso bemerkenswerter, da es in Bayern im Unterschied zu anderen Bundesländern bislang keinen im Lehrplan verankerten Philosophieunterricht gibt.

Timon wählte ein Zitat der deutsch-amerikanischen Philosophin Hannah Arendt aus, wonach der Sinn von Politik die Freiheit ist. In seinem problemlösenden Essay untersucht er sehr kenntnisreich und umsichtig die Bedeutung dieses Diktums für unser so genanntes postfaktisches Zeitgeschehen.
Der Kollegiat erhielt dafür eine einwöchige Einladung an die Winter-Akademie in Münster. Dort trifft er sich mit dem engen Kreis der 25 bundesweit ausgewählten Essay-Schreiber. Aus ihnen werden nach philosophischen Vorträgen, Diskussionen und einem weiteren in einer Fremdsprache abzufassenden Essay die beiden Vertreter ausgewählt, die Deutschland bei der XXV. Internationalen Philosophie-Olympiade 2017 in Rotterdam vertreten.

Lieber Timon, die Ethik-Fachschaft gratuliert dir herzlich zu deiner großartigen Leistung. Für die nächste Runde wünschen wir dir das nötige Quäntchen Glück des Tüchtigen.

Hier Timons Essay zum Lesen.

Text und Foto: C. Dettmar