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Der Deutsche Orden

Auch wenn das Deutschhaus erst seit 1975 existiert, hat es dennoch eine lange Geschichte. Denn die Geschichte unseres Gymnasiums knüpft an die des Deuscthen Ordens an.
Auf dieser Seite finden Sie eine ausführlichere Darstellung der Geschichte des Deutschen Ordens und des Deutschhaus-Gymnasiums.
Text und Zusammenstellung des Bildmaterials stammen von Dr. W. Göbel. Beratend tätig waren Prof. Dr. Salch und G. Kessel, Familiaren des Deutschen Ordens.

I. Die Entstehung des Deutschen Ordens

wischen dem 7. und 11. Jahrhundert breitete sich der Islam in Nordafrika, West- und Kleinasien aus, besetzte das Heilige Land ("terra sacra") und verhinderte Pilgerreisen zu den heiligen Stätten der Christenheit. In den Kreuzzügen (zwischen 1096 und 1291) versuchten christliche Ritterheere mit wechselndem Erfolg diese Gebiete den "Ungläubigen" wieder zu entreißen. Dabei entstanden zwölf geistliche Ritterorden, die die eigentlichen Kampftruppen des Christentums gegen den Islam bildeten, da einige von ihnen ständig im Heiligen Land blieben und nicht, wie die Kreuzheere der weltlichen Ritterschaft, nach Beendigung eines Kreuzzuges wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Sie waren nicht nur den traditionellen Ordensregeln (Armut, Keuschheit, Gehorsam) verpflichtet, sondern auch der Krankenpflege, dem Kampf gegen die "Ungläubigen" und der Ausbreitung des Christentums. Man nannte dies damals "militia Christi", Waffendienst für Christus.

1190 wurde der Deutsche Orden als jüngster der drei großen Ritterorden (neben den Templern und den Johannitern) während des 3. Kreuzzuges von Bremer und Lübecker Kreuzfahrern als Hospitalorden vor Akkon gegründet. Seine erste Tätigkeit galt also der Betreuung von hilfesuchenden Pilgern und verletzten und erkrankten Kreuzfahrern. Als Leiter des Spitals setzte Kaiser Friedrich I. ("Barbarossa, 1152 -1190) seinen Kaplan Konrad ein und wandelte es in einen Orden mit der Regel der Johanniter um. Aus der Ordensregel des Deutschen Ordens:


Ein Kreuzritter beim Gebet

"Drei Dinge bilden die Grundfeste jeglichen geistlichen Lebens: die Keuschheit ewiglich; der Verzicht auf eigenen Willen, das ist der Gehorsam bis in den Tod; das Gelöbnis der Armut, dass der ohne Eigentum lebe, der diesen Orden empfängt. ... Nur als Ganzes darf der Orden besitzen Gut und Erbe, Land und Äcker ... Burgen ..., den Zehnten und anderes. Es ist ein Orden zur Ritterschaft gegen die Feinde des Kreuzes und des Glaubens, daher sind Rosse, Waffen, Knechte und was sonst noch zum Kampf gehört, gestattet." (M. Perlbach, Die Statuten des Deutschen Ordens. Halle 1890, S. 29, S. 46, S. 47)
(M. Perlbach, Die Statuten des Deutschen Ordens. Halle 1890, S. 29, S. 46, S. 47)
1198 wurde der Orden in einen Geistlichen Ritterorden (mit der Regel der Johanniter und der Templer) umgewandelt und von den in Palästina anwesenden deutschen Fürsten unterstützt. Zu ihnen gehörte auch der spätere Würzburger Bischof Konrad von Querfurt.

1226 bestätigte Kaiser Friederich II in der "Goldenen Bulle"von Rimini dem Meister und dem "Hospital Sakt Mariens der Deutschen zu Jerusalem" das Kulmland und das zu erobernde Land Preußen. Dem Hochmeister Hermann von Salza verlieh er die Rechte und Privilegien eines Fürsten des Imperiums.

1229 wurde dem jungen Orden das Deutsche Haus, ein Hospital in Jerusalem verliehen, das dort zwischen dem 1. und 2. Kreuzzug errichtet und 1187 zerstört worden war. Damit wurde der Orden dessen Rechtsnachfolger. Sein Titel lautete fortan: "Brüder des Deutschen Ordens St. Mariens zu Jerusalem." Dafür bürgerte sich seit dem 15. Jahrhundert die Kurzform "Deutschherrenorden" ein.


Deutschordensritter versorgen Verwundete während des 3. Kreuzzugs (1189-1192) vor Akkon. Im Hintergrund ist das Spitalzelt dargestellt.

II. Grundzüge der Entwicklung des Deutschen Ordens bis zur Gegenwart


Die Marienburg zur Zeit der Hochmeister

och vor dem endgültigen Verlust Palästinas (1291) und nach einem kurzen Zwischenspiel im heutigen Rumänien fand der Orden im Nordosten Europas eine wichtige Aufgabe. 1226 rief der nordpolnische Herzog Konrad von Masowien den Deutschen Orden ins Land. Dieser sollte ihn im Kampf gegen die heidnischen Pruzzen (Preußen) zwischen Weichsel und Memel unterstützen. In mehreren Kriegen gelang es den Deutschordensrittern die Pruzzen zu unterwerfen und sie zum Christentum zu bekehren. Sie eroberten ein teilweise noch unbewohntes und unfruchtbares Land, das sie in den folgenden Jahrhunderten kultivierten. Sie gründeten dort zahlreiche Städte und Burgen oder bauten vorhandene aus (z.B. Danzig,Thorn, Kulm, Königsberg, Marienburg) und schufen den selbständigen Deutschordensstaat. Dieser war ein poli-tisch, wirtschaftlich und kulturell bedeutendes Gemeinwesen mit einer für damalige Verhältnisse ausgesprochen modernen Verwaltungsstruktur (z.B. mit freier Wahl der Ordensoberen und zeitlicher Beschränkung der Ämter). Sein Territorium umfasste Teile Nordpolens, Russlands, Litauens, Lettlands und Estlands. Deutsche Siedler, die im 14. Jh. angeworben wuden, sorgten für eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte.

Permanente Kämpfe nach außen (gegen Litauen und Polen) und wachsende Freiheitsbe-strebungen wirtschaftlich aufstrebender Städte im Inneren (z.B. Danzig, Elbing) schwächten den Deutschordensstaat. 1410 unterlagen die Ordensritter in der entscheidenden Schlacht von Tannenberg den vereinigten Heeren Polens und Litauens. Der Ordensstaat musste in der Folgezeit weite Teile seines Territoriums an den polnischen König abtreten. Im Jahre 1522 trat der Orden unter seinem letzten Hochmeister Albrecht von Ansbach zum Protestantismus über und verwandelte auf Luthers Rat den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum unter polnischer Lehenshoheit (1525). Dadurch wurde Albrecht erster Herzog von Brandenburg, dem späteren Preußen.

Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1806) kam auch das Ende des Ordens in seiner bisherigen Form. 1809 verordnete Napoleon in den von ihm eroberten Gebieten die Auflösung des Ordens, der nach Ende der napoleonischen Herrschaft nur noch in den Habsburger Herr-schaftsgebieten existierte. 1929 erhielt er vom Papst eine neue Regel. Dadurch wurde aus dem ehemaligen Ritterorden ein geistlicher Orden mit Sitz in Wien, der die Bezeichnung führt: Fratres domus hospitalis Sanctae Mariae Teutonicorum in Jerusalem (Ordenskürzel: OT)


Der Ordensstaat.

Heutzutage arbeitet der Orden, der derzeit rund 1150 Mitglieder hat (Ordensbrüder, Ordensschwestern und Familiaren, d.h. Laienmitglieder), in der Bundesrepublik, in Belgien, Italien, Österreich, der Slowakei, in Slowenien und der Tschechischen Republik. Er widmet sich vorrangig der Seelsorge und dem sozialkaritativen Bereich (Krankenhäuser, Altenheime etc.), aber auch der Wissenschaft und der Kunst.

III. Der Deutsche Orden in Würzburg


Heilige Elisabeth, Patronin der Krankenpflege und
des Deutschen Ordens
1219 schenkte der Würzburger Bischof Otto von Lobdeburg (1207-33) mit Zustimmung seines Domkapitels dem Deutschen Orden, dessen ritterliches und soziales Engagement er sehr lobte, den ehemaligen Königshof an der Straße von der Mainbrücke zur bischöflichen Burg (heute: Zeller Straße/Schottenanger). Dieses Anwesen hatte eine große geschichtliche Vergangenheit, denn hier hatte 1156 Kaiser Friedrich I. ("Barbarossa") seine Hochzeit mit Prinzessin Beatrix von Burgund gefeiert.

Diese positive Einstellung zum Deutschen Orden galt für alle Würzburger Bischöfe im 13. Jh. Sie und fränkische Adlige statteten den Orden mit großzügigen Schenkungen in und um Würzburg aus. Dadurch gewannen die Bischöfe treue Parteigänger in ihren Auseinandersetzungen mit den Bürgern der Stadt.

Den endgültigen Aufbau einer Würzburger Kommende (unterste Verwaltungseinheit des Ordens) ermöglichte Graf Otto II. von Bodenlaube (1199-1249). Er verkaufte seinen gesam-ten Besitz der Würzburger Kirche unter der Voraussetzung, dass im Gegenzug dafür der Deutsche Orden große bischöfliche Liegen-schaften erhielt. Spätestens 1231 bekam das Würzburger Deutsche Haus den Status einer Kommende mit einem Komtur (Leiter einer Kommende).

Mit zunehmender politischer Bedeutung geriet die Würzburger Kommende im 13. Jh. wie der gesamte Orden in den Machtkampf zwischen Kaisertum und Papsttum. Hermann von Salza z.B., Hochmeister des Deutschen Ordens (1209 -1239) und Vertrauter Friedrichs II. ver-mittelte zwischen diesem und der Kurie. Mit dem Niedergang der staufischen Herrscherhauses und des deutschen Königtums im 13. Jh.verlor auch der Orden an Bedeutung.


Bodo von Ravensburg (bei Thüngersheim) beschenkt den Deutschen Orden

Um 1270 wurde mit dem Bau einer Ordens-kirche auf dem Grund der Kommende begonnen. Aufgrund steuerlicher Privilegien kam es zu Streitigkeiten mit der Würzburger Bürgerschaft. Deshalb ließ der Rat der Bürgerschaft 1287 den Bau mit der Begründung einstellen, dass die Kirche den Prozessionsweg zum Schottenkloster versperre. Auf Anordnung von König Rudolf I. (von Habsburg) beendete Bischof Mangold 1296 den Streit mit einem Kompromiss: Die Kirche durfte gebaut werden, jedoch musste der Prozessionsweg durch einen Schwibbogen unter der Kirche erhalten bleiben. Der Bau der Kirche, deren Patrozinien Maria und Elisabeth von Thüringen sind, wurde daraufhin fortgeführt, jedoch erst wesentlich später, gegen 1320, abgeschlossen.

In der ersten Hälfte des 14. Jh. befand sich die Würzburger Kommende auf einem ersten Höhepunkt. 1329 gelang es der inzwischen reichen Kommende sich durch großzügige Schenkungen aus der bischöflichen Abhängigkeit zu lösen. In den folgenden Jahrzehnten erlosch jedoch das Konventsleben fast völlig und die Kommende wurde als Pfründe an verdiente Ordensmitglieder vergeben. Zu Beginn des 16. Jh. erlebte die Kommende noch-mals eine kurze Blütezeit.


Deutschhauskirche mit Komturei (16. Jhd.)

Der Niedergang der Würzburger Kommende vollzog sich zwischen Bauernkrieg und Dreißigjährigem Krieg. Im Mai 1525 belagerten die Bauern die Festung, plünderten dabei die Kommende und beschädigten das Konventsgebäude erheblich. Die Kommende sank in der Folgezeit zu einer Nebenkommende des Mergentheimer Hauses herab.

Im Dreißigjährigen Krieg eroberte 1631 der schwedische König Gustav Adolf II. Würzburg und ließ in der Deutschhauskirche evangelische Gottesdienste abhalten. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden die Kirche und Teile der Kommende verwüstet und konnten aufgrund der durch den Krieg verursachten schlechten wirtschaftlichen Lage und der hohen Abgaben an die Schweden nicht mehr restauriert werden.

Ein halbes Jahrhundert später (1694) wurde das alte Komtureigebäude durch einen barocken Neu- bzw. Umbau ersetzt, den der italienische Baumeister Antonio Petrini plante.

1789 wurde die Würzburger Kommende zusammen mit der ganzen Ballei (Deutschordens-provinz) Franken dem Meistertum Mergentheim einverleibt.

1805 fiel im Rahmen der Säkularisation die Kommende zunächst an das Kurfürstentum Bayern, 1809 nach der Auflösung des Ordens an das neu geschaffene Großherzogtum Würzburg, fünf Jahre später an das Königreich Bayern. Mehr als ein Jahrhundert diente die Kirche als Militärmagazin.

Seit 1922 wird die Deutschhauskirche als (dritte) evangelische Pfarrei genutzt.

IV. Das Deutschhaus Gymnasiums


Zeller Straße (1968) mit dem Bauch'schen
Bierkellerund dem heutigen DHG-Gelände
Am 23. Juli 1975 wurde das neue Landkreisgymnasium (neusprachliches Gym- nasium mit mathematisch- naturwissent- schaftlichem Zweig) in einem feierlichen Festakt seiner Bestimmung übergeben. Dahinter stand die Konzeption, das Röntgen- und das Friedrich-König- Gymnasium, beide mit derselben Struktur, zu entlasten, die Würzburger Schullandschaft zu erweitern und der steigenden Zahl von Gymnasialschülern anzupassen. Am 11. September 1975 bezogen die ersten Schüler das neue Gebäude, das bis zu seiner endgültigen Namensfindung provisorisch als "Gymnasium am Zeller Berg" bezeichnet wurde.

Eine Reihe von illustren Namen stand für das neue Gymnasium zur Auswahl: Richard von Auwera (fränkischer Künstler des 18. Jh.), Adam Stegerwald (aus Greußenheim stammender Spitzenpolitiker, u.a. preußischer Ministerpräsident, Mitbegründer der CSU und erster Regierungspräsident von Unterfranken), Walther von der Vogelweide (in Würzburg begrabener ma. Minnesänger), Theodor von Boveri (Professor für Chemie an der Universität Würzburg, Nobelpreisträger), Florian Geyer (Anführer der fränkischen Bauern im Bauernkrieg), Leonhard Frank (aus Würzburg stammender sozialkritischer Schriftsteller). Ferner standen der Marienberg, der Schottenanger, der Zeller Berg und der Deutsche Orden als geografische Bezeichnungen mit lokalhistorischem Hintergrund zur Auswahl. Aufgrund des unmittelbaren räumlichen und historischen Bezugs - die neue Schule steht auf dem Boden der ehemaligen Deutschordenskommende - und der traditionellen Werte, die mit dem Deutschen Orden verbunden werden, einigten sich schließlich die Mitglieder des Beschlussgremiums (Kreistag Würzburg, Elternbeirat, Lehrerkollegium, Schülermitverwaltung) auf den Namen "Deutschhaus-Gymnasium", der am 28. Juni 1976 vom Kultusministerium als offizieller Name bestätigt wurde.


Deutschhaus-Gymnasium und Festung Marienberg

Dass die neue Schule sehr gut angenommen wurde, belegen die Schülerzahlen: Bereits im Schuljahr 1980/81 besuchten mehr als 1000 Schüler das DHG, 1982/83 waren es über 1100. Deshalb musste in den folgenden Jahren die sechste Jahrgangsstufe für einige Jahre in die Burkarder Schule ausgelagert werden. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre ließ der Pillenknick die Schule wieder auf ein normales Maß von ca. 750 Schülern schrumpfen. Im Schuljahre 1999/2000 besuchten 912 Schüler das DHG.

Am 25. Juli 1982 verließen die ersten Abiturienten das DHG, das damit seine schulische Volljährigkeit erreichte hatte.
  • Das DHG hat ein freundschaftliches Verhältnis zum Deutschen Orden aufgebaut, der an dem engen Kontakt mit "seiner" Schule sehr interessiert ist. Dies belegen u. a. folgende Aktivitäten:
  • Kontakte zur Brüderprovinz und den Familiaren (z. B. Besuch des Priorats Frankfurt- Sachenshausen und von Familiarenveanstaltungen);
  • Stiftung einer DO-Abteilung in der Schulbibliothek sowie jährliche Preisverleihung an den besten
  • Abiturienten im Fach Geschichte durch den Alt-Deutschherrenmeister Dr. Salch;
  • Besichtigungen ehemaliger DO-Institutionen (z.B. in Ellingen und Mergenheim);
  • Mitwirkung des DHG-Chores bei DO-Veranstaltungen.


Die Liturgie wird beim Deutschen Orden feierlich begangen. Hier: Festakt in der Neubaukirche anlässlich der Investitur des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (1996).