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Musical Zaira 2015

Musical Zaira

Rückblick auf eine vielschichtige Aufführung, die Musik, Tanz, Film und eine aktuelle Story verbindet

All die Musicalzutaten, die seit Herbst 2013 unter der Gesamtleitung von Musiklehrerin Sabine Schultheiss bis ins Detail verfeinert wurden, kamen als erlesener Augen- und Ohrenschmaus am 21. und 22. Juli 2015 zur Aufführung. Um sämtliche Musikwahlkurse der Mittel- und Oberstufe zusammen zu führen und alle rund 150 Beteiligten zu koordinieren, war das „Musical-Büro“ nicht selten fast 24-Stunden-besetzt. Entstanden ist eine aktuelle Musicalstory, die multimedial umgesetzt und von leidenschaftlich interpretierten Songs getragen wurde. 
Zaira, eine engagierte Studentin aus dem Iran, hat eine lange Odyssee hinter sich. In Deutschland angekommen, landet sie zusammen mit anderen Flüchtlingen in einer Gemeinschaftsunterkunft, wo ihr schon bald die Abschiebung in die Heimat droht. Ehe man sie dorthin zurückschickt, wo sie aufgrund kritischer Meinungsäußerungen die Todesstrafe fürchten muss, wagt sie mit ihren Freundinnen Alonya und Malika die Flucht. Die Mädchen erhalten „gegen Cash“ von der Heimaufseherin Tamara eine Adresse, tauchen in Femistos Nachtklub „Harem“ unter und stehen fortan unter der Obhut der Oberharemsdame Elsa. Wenig später lockt Femisto Zaira mit dem Angebot, nicht mehr als „Mädchen der Nacht“ arbeiten zu müssen, zu sich in seine Villa. Dort lässt er die sprachbeflissene Zaira seine als Oldtimer-Handel getarnte Geschäftskorrespondenz mit Menschenschleusern im Nahen Osten übersetzen. Dies kann er lange Zeit vor seiner Gattin, der ehemaligen Filmdiva Hedy Lavalle geheim halten - nicht zuletzt dank des stets um sie besorgten Butlers Osker. In ihrer neuen Unterkunft kommt Zaira allmählich Femistos Sohn, Ramin, näher. Dieser ist jedoch –wie sie spät erkennt - tief in die Machenschaften seines Vaters verstrickt. Eines Tages bricht die bereits bröckelnde Fassade von Femistos Welt zusammen – ausgelöst durch ein „reinigendes Unwetter“ der von ihm um ihr Leben betrogenen Elsa. Ob es den beiden Liebenden, Zaira und Ramin, nach dem „aufklärendem Gewitter“ gelingt, sich aus den Fesseln ihrer Vergangenheit zu befreien, bleibt am Ende der Interpretation des Zuschauers überlassen.
Um den Sängern einen sorgfältig gewebten Klangteppich zu unterbreiten, studierten die Musiker des Orchesters und der Kammerensembles (Ltg. S. Schultheiss, in Zusammenarbeit mit K. Rappelt), die Begleitung der Stücke ein. Sogar der stimmgewaltige Oberstufenchor (Ltg. S.Schultheiss) wurde in einer „Massenszene“ als Madame Hedys „heimlich revoltierender“ Hofstaat für den Song „Fassade“ mit ins Boot geholt. Darüber hinaus konnte auch die Bigband (Ltg. H. Sonnleitner) für die feurigen Stücke „Schafft die Männer ran“ und „When you’re good to Mama“ gewonnen werden. Ein mehrköpfiges Technik-Team unter der fachkundigen Anleitung von Thomas Buffy sorgte allzeit für den stimmigen Ton im passenden Licht. Während der weit zurückreichenden Probenphase hatten wir als Regieteam (S. Schultheiss & S. Schrader) beschlossen, ein paar der ursprünglichen Bühnenszenen filmisch umzusetzen, um in entscheidenden Augenblicken „noch näher am Geschehen sein zu können“. Diese Filmszenen wurden in aufwändiger Arbeit vorab gedreht und geschnitten (Ltg. Sandra Schrader). Die Kulissenelemente, welche ein Schülerinnenteam um die Kunstlehrerin Angelika Rudloff-Seitz gestaltet hatte, gaben dem Bühnenbild einen würdigen Rahmen. Dass sich all die Anstrengungen für dieses Projekt gelohnt haben, zeigte die Begeisterung des Publikums, welches während der Vorstellung mit mehrfachem Zwischenapplaus kommentierte. Neben der Entscheidung, ein aktuelles und brisantes Thema gewählt zu haben, hinterlässt vor allem das beachtliche Niveau der schauspielerischen, choreografischen und insbesondere der gesanglichen sowie instrumentalen Leistungen einen bleibenden Eindruck. Dass die Darsteller mit großer Spielfreude und Hingabe in ihren Rollen aufgehen und ihre Songs regelrecht „durchleben“, konnte man auf spannende und unterhaltsame Weise mitempfinden.
Auf besonders bemerkenswerte Weise hat Shinuna Gärtner der Titelheldin Zaira eine Stimme verliehen. Wie wandlungsfähig diese ist, zeigt sich an der ganzen Bandbreite der Lieder, mit denen sie das Publikum erobern konnte; ob mit dem energiegeladenen „Don’t rain on my Parade“, ob im Duett „Viel zu sehr“ mit ihrem geliebten Ramin, oder mit dem krönenden Abschlussstück „I dreamed a dream“, welches vielen im Publikum eine Gänsehaut bescherte. Obgleich allein der Anspruch der Songs und der Umfang ihres Textes erstaunlich sind, investierte die Abiturientin viel Mühe in die Entwicklung und Vermittlung der bildhaft-erzählenden Choreografien. Johannes Rappelt, der herrlich die innere Zerrissenheit seiner Figur umzusetzen versteht, singt um die Liebe seines Lebens und legt für Zaira all sein Gefühl und seine emotionale Überzeugungskraft in die Stimme. Alonya (Maike Rösch), Malika (Lale Kralik) und die ein Doppelleben führende Asylheim-Wärterin Tamara (Hannah Schürmann) überstrahlen gemeinsam die Dunkelheit ihres Schattendaseins, welches sie im Lied „Mädchen der Nacht“ besingen. Alonya als unnachgiebige Bloggerin für eine weniger schlechte Welt, bringt mit “Somewhere over the Rainbow“ ihren Optimismus zum Ausdruck. Malika, die ebenfalls ein Auge auf Ramin geworfen hat, gewährte uns mit dem Song „I’m not that Girl“ einen berührenden Einblick in ihr trauriges Herz. Die Rolle des hingegen empathielosen Nachtklubbesitzers Mister Femisto ist zweifelsohne eine schauspielerische Herausforderung. Jonas Antor, ebenfalls diesjähriger Abiturient, vermochte es, den Bösewicht so überzeugend darzustellen, dass der eine oder andere in den vorderen Zuschauerreihen bei seinen Wutausbrüchen schon mal zusammenzuckte. Gleichzeitig verlieh er seiner Rolle eine wohl-dosiert komische Note, die im Menschenfeind Femisto menschliche Züge durchschimmern lässt. Oskar (Jonathan Hofinger) verehrt seine Leinwandgöttin Hedy über alles und widmet ihr ein musikalisches Denkmal: „Kein Star wird jemals größer sein“ klingt aus seinem Munde so felsenfest überzeugt wie eine in Stein gemeißelte Statue der einstigen Hollywood-Diva. Die Rolle der Charitylady, Hedy Lavalle, erfüllt Johanna Lambert durch überzeugendes Gesangstalent und schauspielerische Eleganz mit Leben, sodass dieses Denkmal mehr als gerechtfertigt erscheint. Hannah Schürmann, in der Rolle der Tamara, gelingt es trotz ihrer „Kein-Tamm-Tamm-Zack-Zack-Attitüde“ die Herzen der Bewohnerinnen des Asylheims wie auch die des Publikums zu gewinnen: „When you’re good to Mama“ – beruht schließlich auf Gegenseitigkeit… Was sich indes hinter der abgebrühten Fassade verbirgt, ist ein warmherziger Kern. So auch bei der mit großem Charme spielenden Julia Kuhl in der Rolle der Oberharemsdame Elsa. Sie findet in der Ironie einen Weg, mit den harten Bedingungen ihres Lebens abzurechnen: Das mitreißend choreografierte Lied „Schafft die Männer ran“ sprüht vor kokettierendem Ausdruck und Energie, die Elsa inmitten des Schwarms ihrer in schwarz und rot gekleideten Haremsmädchen verbreitet.
How do you measure a year?“ – Wenn man der Musical-Initiatorin diese Frage aus dem Song „Seasons of Love“ (Musicalchor, Ltg. S. Schultheiss) stellen würde, wohl in zahllosen Nachtschichten für Textüberarbeitungen, im Arrangieren von Songs oder in gemeinsamen Regiesitzungen; in Wochenendsessions für Inforundmails und im Erstellen der ausgeklügelten Probenpläne in regelmäßigen Freitagnachmittagsproben und vielen zusätzlichen Übungsstunden mit einzelnen Sängern, um deren Stimmen auf Hochglanz zu polieren; über die Organisation der Technikausleihe oder der „Lachsröllchen und Trüffelpastetchen“ für die Zwischenpause.… und nicht zuletzt in der Planung der Kult-Probenfahrt nach Burg Rothenfels.
Eines ist sicher: Die beiden Aufführungen reichen weit über den Anspruch einer Schulveranstaltung hinaus. Das lässt sich nur so erklären: Ein riesiges Team ist zusammengewachsen, von dem jeder einzelne Schauspieler, Sänger, Tänzer, Instrumentalist, Techniker und Helfer vor wie hinter den Kulissen „vollsten Einsatz“ und „höchste Disziplin“ gezeigt hat. All dies wäre aber nicht zustande gekommen, wenn sie nicht die vielen Fäden, die bei ihr zusammenführen, in den Händen fest beieinander gehalten hätte: Die „Seele des Musicals“ Sabine Schultheiss.
Text: Sandra Schrader