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Projekttage

„Zeit, die Mauer in den Köpfen zu durchbrechen!“ – Projekttage der 10. Jahrgangsstufe zum 9. November 1989

Fast drei Jahrzehnte lang teilte eine nahezu unüberwindliche Grenze die beiden deutschen Staaten, bevor es am 9. November 1989 zum historischen Fall der Berliner Mauer kam. In jedem Schuljahr setzen sich die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen unserer Schule mit diesem Ereignis an zwei Projekttagen intensiv auseinander. Zunächst erhalten sie mit einer filmischen Dokumentation einen über die historischen Entwicklungen, die dem Zusammenbruch des SED-Staates vorausgingen. Dann beschäftigen sie sich selbstständig mit Projektmappen und vertiefen wichtige Aspekte zur Blockbildung und zum Kalten Krieg sowie zur DDR-Geschichte und zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Die Projekttage boten heuer aber nicht nur Gelegenheit, sich fachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sondern regten die Schülerinnen und Schüler auch an, sich kreativ-künstlerisch zu betätigen. So gestalteten manche Jugendliche Collagen oder fertigten Zeichnungen an, andere führten Interviews mit Erwachsenen in der Stadt und erfuhren, wie diese den Mauerfall erlebt haben oder nun bewerten. Andere Schülergruppen recherchierten für sie interessante Aspekte im Internet und fassten die Ergebnisse grafisch zusammen. So entstand in Zusammenarbeit aller Klassen eine interessante, thematisch vielschichtige Ausstellung im Forum unserer Schule. Den Abschluss der Projekttage bildete der gemeinsame Besuch des aktuellen Kinofilms „Der Ballon“, dessen Handlung viele der Jugendlichen sehr bewegte.
Text: A. Neuberger
Leibhaftiger Deutschordensritter am DHG
Leibhaftiger Deutschordensritter am DHG

„Mittelalter mit allen Sinnen erleben“

Fächerübergreifende Projekttage in den 7.Klassen des DHG

Wissen fächerübergreifend zu vernetzen und den Schulstoff erlebbar zu machen- das will moderner Unterricht. Wie dies funktioniert,  konnten die Siebtklässler des Deutschhaus-Gymnasiums rund um das Thema Mittelalter erleben.
Vielen Älteren ist aus dem Geschichtsunterricht vergangener Zeiten zu dieser lebendigen und für Europa prägenden Epoche oft nur ein Bild geblieben: eine finstere, dunkle Zeit.  Einen facettenreicheren und tiefer greifenden Eindruck vom Leben der Menschen in diesen Jahrhunderten konnten die über 120 Schülerinnen und Schüler Anfang Januar gewinnen. Möglichkeit dazu gaben die drei fächerübergreifenden Projekttage. Seit 2010 an der Schule etabliert, bieten sie den Kindern Gelegenheit, in den Fächern Deutsch, Geschichte und Religion das Mittelalter mit allen Sinnen zu erleben.
Den Auftakt der Projektphase bildete der „Einfall“ des Würzburger Greifenpacks an der Schule. Die Mittelaltergruppe um Tobias Baus führte den 7. Klassen im Forum der Schule eindrucksvoll den Weg vom Mönch zum Deutschordensritter vor Augen.
Nils fordert Tobias Baus vom Greifenpack heraus
Nils fordert Tobias Baus vom Greifenpack heraus
Sämtliche Ausrüstungsgegenstände und Bekleidung des Ritters kamen zur Sprache. Mutige Zuhörer konnten sogar in ein Kettenhemd schlüpfen oder Ritter Baus mit dem Streitkolben gegenüber treten. „Wahnsinn, ich hätte nie gedacht, wie schwer so ein Kettenhemd tatsächlich ist!“, meinte Gregor (12 Jahre). Auch die anderen Schüler waren von der Aktion begeistert, besonders als der Schwertkampf als krönender Abschluss folgte. „Toll, welche Action uns geboten wird!“, sagte Bianca (12 Jahre).
Im Klassenzimmer erarbeiteten die Schüler dann in Kleingruppen –selbsttätig in einem Lernzirkel- zahlreiche Themenbereiche, z.B.: Burgen und Festungsanlagen, Rittertum, Minnesang, Kleidung und Nahrung und vieles mehr. Selbstverständlich regten auch Kreativaufgaben wie die Gestaltung eines ritterlichen Klassenwappens oder die Erstellung eines mittelalterlichen Modemagazins die Kreativität und Fantasie der Kinder an.
Begeisterte Vertreter der mittelalterlichen Stände
Begeisterte Vertreter der mittelalterlichen Stände
Der folgende Tag stellte das Erleben des erarbeiteten Wissens in den Vordergrund. Auf der Festung Marienberg, dem bedeutendsten Ort des mittelalterlichen Lebens in Würzburg, durchliefen die Schüler fünf verschiedene, völlig neu konzipierte Lernmodule zum Thema Mittelalter. Diese wurden von den Museumspädagogen um Veronika Genslein in Kooperation mit der Koordinatorin „Schule und Museum“, Alexandra Neuberger, erstellt. Das vom Kultusministerium initiierte und geförderte Projekt hilft Museen dabei, ihre Angebote für Schulklassen modern und ansprechend zu gestalten und die aktuellen Lehrplaninhalte aufzunehmen. Bei der Konzeption der neuen Einheit am Mainfränkischen Museum wurde sowohl auf das Lernen mit allen Sinnen sowie der Eigentätigkeit der Schüler, aber auch auf die historische Korrektheit der Präsentation der mittelalterlichen Welt Wert gelegt: Die Schüler konnten sich unter anderem historische Kostüme überziehen, in eine Rolle schlüpfen und dann die Ständepyramide der Zeit nachstellen. In der Nachzeichnung des bekannten „Würzburger Gnadenstuhls“ mit Hilfe eines Bilddiktats waren Teamarbeit, genaue Beobachtungsgabe  und künstlerisches Talent gefragt.
Auf geht’s zu den Spuren des Mittelalters auf der Festung
Auf geht’s zu den Spuren des Mittelalters auf der Festung
Mit Entdeckerblättern erkundeten die Klassen das Festungsgelände und lernten unter anderem an den steinernen Wappen der bedeutendsten Würzburger Fürstbischöfe etwas über deren persönliche Geschichte. Wie man sich im Mittelalter ernährte, wurde von den Jugendlichen an einer weiteren Station heiß diskutiert. Denn dort standen typische Lebensmittel dieser Epoche aber auch Produkte, die bei uns heute täglich auf dem Tisch stehen, damals aber unbekannt waren, bereit. Die Aufgabe war es, diese Lebensmittel richtig zuzuordnen. So erstaunte es den einen oder anderen Schüler, dass ein Ritter auf Pommes mit Ketchup verzichten musste, denn weder Kartoffeln noch Tomaten waren im mittelalterlichen Europa bekannt.
Den Abschluss bildete ein weiterer Arbeitstag an der Schule mit dem Lernzirkel, an dessen Ende die Abgabe einer Präsentationsmappe mit den gesammelten Arbeitsergebnissen sowie die Vorführung der kreativen Aufgabenstellungen standen.
 
Text: Carsten Dutz, Alexandra Neuberger
Fotos: Steffen Lampert, Alexandra Neuberger
 

Hinweis:

Einen Bericht aus der Mainpost sowie einen Kurzbeitrag auf TV Touring finden Sie unter folgenden Links:
 

Hier noch weitere Impressionen unserer Projekttage:

 „Das Forum wird zum Acker“– die Klassen 7a und 7b des Deutschhaus-Gymnasiums in Würzburg treffen sich zu einem Projektunterricht über die Agrarrevolution im Mittelalter (26.11.14)

„Was bedeutet der Begriff Revolution“, fragte OStR Carsten Dutz die im Forum des Deutschhaus-Gymnasiums versammelten Schüler der Klassen 7a und 7b. Die Frage diente nicht alleine der Begriffsdefinition, sondern rollte gleichzeitig den roten Faden aus, an dem entlang sich die von StRef Gerrit Dworok betreuten Klassen die folgenden 45 Minuten in das gar nicht so dunkle Mittelalter hervortasteten.
So nahm dann der Unterricht zum Thema Die Agrarrevolution des Mittelalters seinen Lauf – stets mit Bezug auf die Frage, inwiefern technische Entwicklungen auf dem Gebiet der im Mittelalter außerordentlich wichtigen Landwirtschaft umwälzende und verändernde Kraft besessen haben. Ausgangspunkt der Überlegungen war eine mittelalterliche Buchmalerei. Diese zeigte mittelalterliche Bauern bei der Feldarbeit mit einer Sichel. Davon ausgehend wurde der Bogen gespannt, wie und mit welchen landwirtschaftlichen Geräten der Prozess von der Saat bis zur Ernte verlief. Ein besonderer Reiz wurde dabei durch die Originalrequisiten gesetzt, die OStR Dutz kurzzeitig aus dem Familiendepot sowie von Bauern aus dem Landkreis Würzburg organisiert hatte, um sie zum Zwecke der Anschauung ins Schulhaus zu bringen. Die Wirkung der auf der Bühne aufgebauten Gegenstände, vom Kummet bis zum Dreschflegel war alles dabei, wurde nicht verfehlt. An ihnen wurde dann der Begriff der Revolution anschaulich gemacht.
Nicht schlecht staunten die Schüler etwa, als sie aufgefordert wurden, ein Rad durch die Halle des Forums zu rollen, das eigentlich als Stützrad für einen Räderpflug dient. Ebenso überrascht waren sie, ferner, als Freiwillige gesucht wurden, um auf der Bühne die technische Handhabung der Sense zu demonstrieren.
Dass sich auf die abschließende Frage nach der revolutionären Kraft technischer Entwicklungen diverse Schüler meldeten und eine lebhafte Diskussion entstand, machte deutlich, dass dieser sehr anschauliche handlungs- und produktionsorientierte Geschichtsunterricht den Kindern eine Zeit näherbrachte, die so weit entfernt zu liegen scheint, deren Dynamik allerdings bis heute beeindruckt.
 
Carsten Dutz, OStR
Gerrit Dworok, StRef

Exkursion der 9. Klassen zum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Am 13. Mai führten alle 9. Klassen des Deutschhaus-Gymnasiums eine Exkursion zum ehemaligen Reichsparteitagsgelände im Südosten der Stadt Nürnberg durch. Hier fanden von 1933-1938 Großveranstaltungen der NSDAP statt, zu denen bis zu zwei Millionen. Deutsche aus allen Teilen des Reichs jährlich anreisten.
Zunächst informierten sich die Schülerinnen und Schüler, unterstützt durch Audioguides, selbstständig für ca. 90 Minuten im Reichsparteitags-Museum.
Danach fand ein Rundgang geführter Gruppen über das heute ca. 16,5 km2 große Reichsparteitagsgelände zu ausgewählten Stationen statt. Dabei konnten die Schüler einige interessante und überraschende Erfahrungen zur NS-Geschichte hinzugewinnen, die wir später am Deutschhaus-Gymnasium aufzuarbeiten versuchten:

Propaganda in Nürnberg - die Bauten der totalen Machtdemonstration der Nationalsozialisten

Nach meinem heutigen Besuch (13.5.2014) auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, erscheinen mir die Propaganda-Pläne und die Machtdemonstration Hitlers und der dazugehörigen Parteien und Vereine (SS, NS, NSDAP,…) in einem noch kritischeren Licht als zuvor.
Das geplante Reichsparteitagsgelände sollte nach Plänen Hitlers sechsmal so groß sein wie die Altstadt Nürnbergs, sprich 11 Quadratkilometer. Dies kannte ich zuvor nur aus Bildern und anderen Darstellungen. Sieht man den heutigen Zustand vor Ort, so wird einem erst die verführerische Faszinationskraft klar, die diese Anlage auf die Deutschen der Hitler-Zeit ausgeübt haben muss. Ich habe vorher noch nie so etwas Gigantisches gesehen!
Doch wieso mein kritischer Blick auf das ganze architektonische Wunder? Spätestens bei der Erklärung über Betrieb und Nutzung der riesigen Anlage wurde mit klar, dass dieses Gelände aus heutiger Sicht nur rausgeschmissene Reichsmark waren und eigentlich nur die Macht Hitlers zur Geltung bringen sollte.
 
Abb.1 Kongressplatz auf dem Reichsparteitagsgelände nach antikem Vorbild (Foto: C. Dettmar)
Als Beispiel für meine heutige Sicht nehme ich die Kongresshalle. Ursprünglich sollte diese 60 Meter hoch werden und ist meiner Schätzung nach 800-1000 Meter breit. Auf dem Kongressplatz, der nicht fertig gestellten Kongresshalle, wo Hitler seine Reden aus erhöhter Position zu über 150000 Anhängern halten wollte, wäre sein Anblick aus der Perspektive seiner Zuhörer wohl atemberaubend und eindrucksvoll gewesen. In seiner architektonisch erhöhten Rednerposition am Halleneingang fühlte er sich inmitten der Menge vermutlich als deren Gott oder Messias. In dieser Umgebung hätte er wohl versucht seine rhetorischen Fähigkeiten vollkommen auszuspielen um die Massen mitzureißen. Durch die Position Hitlers bei seinen Reden und das von oben durch riesige Dachfenster scheinende Licht wäre Hitler noch mehr in den Mittelpunkt des ganzen Szenarios gerückt und seine Machtstellung erheblich betont worden.
Abb.2 Das Nürnberger Zeppelinfeld auf dem Reichsparteitagsgelände damals … (Quelle: Reichsparteitagsmuseum)
Abb.3 … und heute (Foto: F. Wagner)
In diesem monumentalen und pompösen Baustil sind auch die anderen Bauvorhaben auf dem Reichsparteitagsgelände inszeniert worden, die wir auf unserem Rundgang kennen lernten. Es wurde von 1933-38 auf dem Gelände gebaut. Auf Grund des Ausbrechens des Zweiten Weltkriegs wurde das Bauvorhaben schließlich eingestellt, da die Männer der Deutschen Arbeitsfront auch für den Kampf verfügbar sein mussten.
Neben der Herkunft der Arbeitskräfte, die Tag und Nacht an der Umsetzung der übersteigerten Bauvorstellungen Hitlers arbeiten mussten, versuchte ich auch die Frage zu klären, woher denn eigentlich die Baumaterialien und das Geld für den Bau kamen. Über den Tourguide erfuhr ich, dass das Geld von der Stadt Nürnberg, dem „nationalsozialistischen“ Staat Bayern sowie von den eingenommenen Staatsgeldern der eroberten Gebiete aufgebracht wurde. Die Granit-Steine wurden „kostengünstig“ von KZ-Häftlingen aus den Steinbrüchen abgetragen. Dies hatte zur Folge, dass in dieser Zeit bevorzugt Konzentrations- oder Arbeiterlager in der Nähe von Steinbrüchen errichtet wurden. Damals entstand das Motto „Tod durch Arbeit“ oder „Folter durch Arbeit“, da die Häftlinge jüdischer Herkunft als auch politisch Verfolgte, unter unmenschlichen Bedingungen dort arbeiten mussten. So waren aus Hitlers und der Nazis Sicht die Häftlinge „doch noch zu etwas nütz...“.
Als Fazit möchte ich rückblickend feststellen, dass Hitler die Baupläne zum Nürnberger Reichsparteitagsgelände zur Chefsache erhob und diese maßgeblich gestaltete, um seine Vorstellungen von Macht darin widerzuspiegeln. Dafür war er bereit unschuldige Menschen grausam und demütigend als „Dinge“ zu benutzen.
Leonard E. (9D)
Hier noch einige Impressionen von Schülern, die zeitnah zu unserer Exkursion versuchten, die in Nürnberg erfahrbare „Götzendämmerung“ in Worte zu fassen:
Mich persönlich hat die gigantische Größe des Bauwerks beeindruckt und dass die Propaganda derartig geplant und so pompös ausgeführt werden konnte.
Felix B. (9D)
Am meisten beeindruckt haben mich die Dimensionen des Geländes in Nürnberg. Alles wirkt mächtig und man selbst fühlt sich wie ein Staubkorn, wie ein Nichts. Kein Wunder, wenn man unter einem fünf Meter hohen Torbogen steht! Auch das Zeppelinfeld hat mich fasziniert, da es mir die Geschichte wirklich nahe gebracht hat, als unsere Gruppenleiterin uns ein Bild von dem landenden Zeppelin zeigte, während wir genau vor diesem riesigen Platz standen.
Flurina W. (9B)
Mir persönlich hat die Exkursion sehr gut gefallen, da das Reichparteitagsgelände im Geschichtsunterricht so explizit nicht behandelt wird, gerade die Ausstellung in der Kongresshalle und die Besichtigung des Geländes mit den Zusatzinformationen des Fremdenführers (ein schwieriger Begriff in diesem Zusammenhang) aber den gelernten Unterrichtsstoff sehr gut vertiefen.
Ich fand die Ausstellung sehr informativ - gerade die Teile, die sich mit der Stadt Nürnberg im Dritten. Reich und der Geschichte der Reichsparteitage beschäftigen - und anschaulich (vor allem die Filmsequenzen fand ich sehr passend!). Allerdings hätte ich mir mehr Zeit für den Besuch des Dokumentationszentrums gewünscht.
Auch die Führung mit einem - wie ich finde sehr kompetenten und angenehmen “Guide” - über das Reichparteitagsgelände hat mir imponiert. Sie hat erst die Ausmaße dieses größenwahnsinnigen Projekts gezeigt.
Generell lässt sich meiner Meinung nach sagen, dass es das ganze Dokumentationszentrum (Museum und Gelände) schafft, sowohl über dieses sehr schwierige Thema, Nationalsozialismus in Deutschland, zu informieren, es dennoch nicht zu verherrlichen oder in irgendeiner Weise schön zu reden, als auch den Besucher zu sensibilisieren und deutlich zu machen, dass derartiges NIE MEHR passieren darf!
Insgesamt war es ein sehr gelungener Ausflug!

Felix H. (9D)

(Text: Leonard, Felix B., Flurina, Felix H. und Herr Dettmar)
Wir bau'n die Mauer wieder auf...

Projekttage 2012 - Wir bau’n die Mauer wieder auf…

Novemberrevolution – Hitler-Putsch – Reichskristallnacht – Mauerfall: Der vielfach besetzte 9. November drängt sich geradezu auf, um zentrale Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte zu betrachten.
Einmal mehr nahmen sich die Geschichtslehrer der neunten Klassen dieses exemplarische Datum vor, um sich mit den Schülern in Projekttagen mit den Geschehnissen auseinanderzusetzen.
In Exkursionen, beim Lernen an Stationen und unter Einbezug anderer Unterrichtsfächer wurden die Themen und Inhalte anschaulich erarbeitet und für die anderen Schüler sicht- und greifbar gemacht - etwa mit einem Nachbau der mit Graffitis garnierten Mauer, die vom obligatorischen Trabi durchbrochen wird und vor der die Silhouette einer DDR-Grenzer-Uniform einen automatisch stramm stehen lässt.
Im Folgenden finden Sie die Berichte der einzelnen Klassen.

Die deutsch-deutsche Teilung und die drohende Gefahr eines Dritten Weltkriegs - Exkursion zu Point Alpha

 
Im Rahmen der Projekttage der 9. Klassen am 8. und 9. November machten wir, die Klasse 9d, zusammen mit der 9m eine Exkursion zum sogenannten „Point Alpha“, ein zum Museum und zur Gedenkstätte umfunktionierter Beobachtungsposten der US-Army direkt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Der Observation Point Alpha liegt zwischen Hessen und Thüringen, in der Nähe von Fulda.
Nach knapp zwei Stunden Fahrt begann unsere Führung mit einem der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter dort. Als erstes beschäftigten wir uns mit der deutsch-deutschen Teilung und dem Kalten Krieg und lernten in der Ausstellung viel Interessantes über das DDR-Grenzregime. Beispielsweise fand man nach der deutschen Einigung in einem Keller Medaillen, die die DDR-Regierung als Auszeichnungen für Verdienste im 3. Weltkrieg verleihen wollte. Geschichten wie diese waren für viele Schüler neu und es war auch erschreckend zu erfahren, wie knapp wir im Kalten Krieg dem Ausbruch eines weiteren Weltkriegs entgangen sind. Das ist uns besonders an diesem Ort, wo sich die beiden Machtblöcke so nah gegenüber standen, klar geworden. Nach dem Museumsbesuch wurde uns die Entwicklung der DDR-Grenzbefestigungsanlagen näher gebracht, was sehr anschaulich war, da wir auf dem original erhaltenen Kolonnenweg an dem Beobachtungsturm und dem rekonstruierten DDR-Grenzzaun entlang gelaufen sind. Die DDR hatte ihren antifaschistischen „Schutzwall“ von einem zu Beginn etwa einen Meter hohen Stacheldrahtzaun bis hin zu einem mörderischen System, das Minenstreifen, bei der kleinsten Berührung losgehende Alarmanlagen und todbringende Selbstschussanlagen beinhaltete, zu einem fast unüberwindlichen Hindernis gemacht.
Den zweiten Teil der Exkursion verbrachten wir dann auf dem Gelände des ehemaligen Beobachtungspostens der US-Armee. Die NATO ging zu 95% davon aus, dass ein eventueller Weltkrieg in der sogenannten „Fulda Gap“ ausbrechen würde, weil es von dort der kürzeste Landweg bis nach Frankfurt ist, einer damals militärisch wichtigen Stadt. So wäre es auch die letzte Aufgabe der in Point Alpha stationierten US-Soldaten gewesen, im Falle einer Invasion der Warschauer Pakt-Staaten die Gegner atomar aufzuhalten. Das hätte zwar bedeutet, dass die Gegend bis nach Würzburg hin nuklear verseucht worden wäre, der Rest der Welt hätte aber vorerst gerettet werden können. Unser Gästeführer erzählte uns, dass er aus dem Ruhrgebiet nach Fulda gekommen war, um dort beim Bundesgrenzschutz Dienst zu leisten. Er und seine Kollegen hatten sich oft gewundert, warum sie dort stationiert waren, weil nie etwas geschah. Dabei waren sie sich nicht bewusst, dass sie an einen der zu dieser Zeit gefährlichsten Orte der Welt gekommen waren. Wenn er daran denke, in welche Gefahr er sich und seine Familie gebracht hatte, als er sich dort niederließ, sei ihm auch heute noch mulmig zumute.
Im Allgemeinen fanden wir die Exkursion und den darauf folgenden Projekttag sehr lehrreich, da uns die Informationen anschaulich und interessant näher gebracht wurden.
Clara, 9d