Im Jahr 2009 stand Guingamp zum Zeitpunkt unserer Ankunft noch Kopf, denn der Verein En avant (auf deutsch vorwärts) hatte wenige Tage zuvor sensationell den französischen Fußballpokal gewonnen – vor 80000 Zuschauern im Pariser Stade de France. Seither kennt jedes Kind in Frankreich den Ort unserer Partnerschule, und auch wir, 22 Schüler sowie zwei Begleitpersonen durften eine Woche lang Guingamp und die Bretagne kennenlernen.
Während dieser Zeit haben unsere Schüler ihre Eindrücke in Tagebuchform festgehalten:
Samstag, 23.05.
Endlich mal Ausschlafen nach der langen Busreise! Ein Blick aus dem Fenster verrät: die Sonne scheint! Und was gibt es noch? Kühe im Garten! C'est très bizarre! Meine Austauschpartnerin lebt auf einem riesigen Bauernhof mit Hühnern, einem Pferd, Hunden ... und Kühen. Es gibt mehrere Scheunen, Weiden und Gehege. Im Haus leben einige Katzen, darunter zwei Junge. Sie sind total niedlich! Am Nachmittag geht’s zum Reitunterricht.
Montag, 25.05.
Nach dem Aufstehen um halb acht geht’s mit dem Fahrrad zur Schule. On fait la bise (finde ich gut!). Zu Beginn der Schule unterhalten wir uns mit unseren Lehrern über das Wochenende in den Familien. Nach einer Schulführung (Collège, Lycée, Internat, Kirche, Mensa, Fitnessraum und einiges mehr) werden wir vom Direktor der Schule bei Orangensaft und Kuchen empfangen. Anschließend nehmen wir am Unterricht teil. Ich war in einer Mischung aus Geographie und Geschichte – wir haben über Italien gesprochen, soviel habe ich immerhin verstanden.
Nach dem Essen in der Kantine fahren wir ans Meer. Ein paar Mutige trauen sich ein paar Schritte ins Wasser, andere suchen nach Muscheln.
Dienstag, 26.05.
Um 9 Uhr starten wir unseren Tagesausflug auf die Ile de Bréhat. Kurz bevor wir vom Bus auf die Fähre umsteigen, schicken wir unseren Mitschülern, die gerade im Englischunterricht sitzen, noch eine MMS mit der wunderschönen Sicht auf das blaue Meer.
Nach einer recht stürmischen Überfahrt und Umrundung der Insel laufen wir an zum Baden einladenden Stränden vorbei, an denen wir am liebsten gleich geblieben wären. Wir wandern jedoch erstmal zur kleinen Kapelle St Michel auf einem Hügel und genießen den Ausblick über die autofreie Insel, die nur 300 Einwohner hat. Wir besuchen ein kleines Dorf und am Nachmittag geht’s dann endlich an den Strand. Wegen der Ebbe müssen wir recht weit gehen, um ins Wasser zu kommen.
Mittwoch, 27.05.
Mit gewisser Skepsis haben wir den drei Schulstunden am Mittwochmorgen entgegen gesehen. Aber trotz aller Befürchtungen sollte es ein sehr interessanter Tag werden. Zunächst werden wir in kleine Gruppen eingeteilt und begleiten dann unsere Austauschschüler durch den Unterricht. Maths, Anglais, Histoire-Géo und Sport stehen auf dem Stundenplan – und natürlich auch Allemand, wobei der Deutsch-Unterricht an diesem Tag von unseren eigenen Lehrern bestritten wird.
Den Nachmittag verbringen wir mit „unseren“ Familien. Einige verabreden sich zum Besuch eines Freizeitparks und zum Grillen am Abend.
Donnerstag, 28.05.
Heute stehen das Musée des Télécommunications in Pleumeur-Bodou und das Aquarium von Trégastel auf dem Programm. Im Museum wird die Geschichte der Telekommunikation vom ersten Telegraphie-Unterseekabel bis hin zum Mobilfunk erzählt. Teil des Museums ist das sogenannte Radôme, eine riesige Antennenanlage, mit der in den 60er Jahren die erste Live-Fernsehübertragung von den USA nach Europa per Satellit stattfand. Eine beeindruckende Lichtshow erzählt diese Geschichte nach.
Nach der Show spielen wir in einer virtuellen Welt Volleyball und fahren Snowboard – all das vor einer grünen Wand, die uns direkt in ein Computerspiel hinein projiziert.
Zum Picknick fahren wir ein letztes Mal mit dem Bus an den Strand und lassen uns später im Meeresaquarium Seesterne, Jakobsmuscheln und Krebse zeigen. Wir dürfen die Tiere sogar anfassen!
Am späten Abend treffen wir uns wieder zur Heimfahrt an der Schule. Erst haben wir uns zwar auf die Heimreise gefreut, aber dann fällt uns der Abschied doch sehr schwer. Die meisten von uns müssen weinen. Als der Bus losfährt, rennen viele Franzosen hinterher. Einige Autos begleiten uns sogar bis zur Autobahn.
Wir glauben, dass alle den Austausch wirklich sehr schön fanden, und freuen uns auf ein Wiedersehen!
S. Lampert. P. Elflein, sowie die Tagebuchschreiber Charlotte, Johannes, Jakob, Benjamin, Rebekka, Orla, Theresia, Bianca, Oliver und Jan.