Zurück zum Portal

 
 OX-Login  
Sie sind hier: Portal > Fachbereiche > Ethik > Besondere Aktivitäten
Diese Seite ausdrucken

Besondere Aktivitäten

Abb.1 Aufruf des DAAD
Abb.1 Aufruf des DAAD
Zertifikat
Zertifikat

Zukunftswerkstatt Europa – Verständigung zwischen christlich und muslimisch geprägten Menschen in einem künftigen Deutschland

Im Rahmen des vom Deutschen Akademischen Austauschdiensts koordinierten Programms „Europa macht Schule“ führte der Ethik-Kurs der 7. Jahrgangsstufe bei Herrn Dettmar das Projekt „Zukunftswerkstatt Europa“ durch. Insgesamt 30 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 7 a-m befassten sich mit der Frage, wie ein friedliches und gedeihliches Miteinander bei einem Anhalten des Flüchtlingsstroms aus der Perspektive der Ethik-Schüler möglich ist.
Entstehung des Projekts: Nachdem die Weltreligion  „Christentum“ bereits in der 6. Klasse durchgenommen worden war, stand in diesem Schuljahr der Islam auf dem Lehrplan. Angesichts dieser Vorgabe und des ungebrochenen Flüchtlingsstroms meldete Herr Dettmar im Herbst 2016 den Ethik-Kurs bei einem Treffen mit den Koordinatoren im Würzburger Rathaus an. Auf Wunsch bekamen wir einen muslimischen Studenten zugeordnet (insgesamt betrachtet waren es sogar zwei, da sich der erste, ein kurdischer Amerikanistikstudent, entschied, nur noch für das WS 2016/17 in Deutschland zu bleiben). Das Projekt sollte zwischen Dezember und Mai mit dem Stichtag 9.5.2017, dem Europatag, durchgeführt werden. Drei bis fünf Besuche des Studenten sollten erfolgen.
Unsere Projektidee kam folgendermaßen zustande: In den Nachrichten hört man immer wieder, dass viele Flüchtlinge aus dem Süden und Osten nach Deutschland kommen. In ihren Heimatländern gibt es Krieg und es herrscht dort Verfolgung und große Not. Viele von den Flüchtlingen sind Moslems.
In den Nachrichten hört man auch, dass viele Deutsche sehr hilfsbereit sind. Manche Deutsche lassen sogar Flüchtlinge bei sich zu Hause wohnen. Auch in unserem Ethik-Kurs gibt es einen Schüler, dessen Familie einen Flüchtling aufgenommen hat.
Abb.2 Qusai Alnesr (Foto: C. Dettmar)
Abb.2 Qusai Alnesr (Foto: C. Dettmar)
Ein Teil der Bevölkerung ist jedoch gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge und gegen die Gewährung von Asyl, obwohl dies von unserem Grundgesetz so vorgesehen ist. Wiederholt gab es Anschläge auf Flüchtlingsheime und man spricht von einer zunehmenden Fremdenfeindlichkeit, insbesondere gegen Moslems.
Durch den Flüchtlingsstrom sind schon viele Ausländer zu uns gekommen. Weitere werden kommen. So wie bei der Einwanderung der Gastarbeiter vor 50 Jahren sind viele davon Moslems. Dadurch werden in den kommenden Jahren immer mehr Moslems und Christen aufeinander treffen. Bei unserem Projekt „Zukunftswerkstatt“ wollten wir uns daher überlegen, wie eine Integration und ein gedeihliches Miteinander der Christen und Moslems in Deutschland möglich sind und dazu Lösungsvorschläge unterbreiten.
Bei unserer Suche nach Möglichkeiten zu einem Miteinander und für eine Verständigung half uns neben unserem Ethiklehrer der 23-jährige Flüchtling Qusai Alnesr, der ein gläubiger Moslem ist. Er floh vor zwei Jahren aus dem Bürgerkriegsland Syrien und kam mit seinem Bruder zu Fuß nach Deutschland. Zurzeit lernt Qusai sehr intensiv und erfolgreich deutsch, damit er bald an der Fachhochschule ein Studium aufnehmen kann.
Noch bevor Qusai das erste Mal zu uns ans Deutschhaus-Gymnasium in den Ethikunterricht kam, stiegen wir in eine Vorbereitungsphase ein. Dabei zeigte uns unser Ethiklehrer an einigen Beispielen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Weltreligionen „Christentum“ und „Islam“ auf. Wir untersuchten auch den Anfang des deutschen Grundgesetzes, das für unseren weltlich ausgerichteten Rechtsstaat prägend ist. Es zeigte sich, dass sich die Haltung gegenüber Religion und Recht oftmals deutlich erkennbar auf die Lebensweise und besonderen Werte bei Christen und Moslems auswirkt.
Abb.3 Recherche im Computerraum  (Foto: C. Dettmar)
Abb.3 Recherche im Computerraum (Foto: C. Dettmar)
Abb.4 Die fünf Säulen des Islam  (Foto: C. Dettmar)
Abb.4 Die fünf Säulen des Islam (Foto: C. Dettmar)
Recht schnell bildeten sich während der nun folgenden Problemfindungsphase die Arbeitsgruppen. Folgende Schwerpunkte nahmen wir uns vor:
-        Familienehre
-        Rolle der Frau
-        Toleranz und Intoleranz
-        Scharia und Dschihad
-        Streit um den Moscheebau
-        Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit
Außerdem bildete sich eine Arbeitsgruppe für eine Meinungsumfrage, die die Kenntnisse der Deutschhaus-Schüler zum Islam untersucht.
In der nun folgenden Fantasiephase nutzten wir unseren Computerraum. Dort recherchierten die Arbeitsgruppen zu ihrem jeweiligen Thema und suchten nach Bildmaterial.
Herr Dettmar teilte uns Hintergrundinformationen aus dem Buch „Von Kopftuch bis Scharia“ von dem Islamkenner John L. Esposito aus.
Außerdem inspirierte uns Qusai durch seinen Vortrag zu den fünf Säulen des Islam, in dem es um die fünf zentralen Werte des Moslems geht. Darüber konnten wir auch mit Qusai, der diese Werte in seiner Lebensführung umsetzt, im Anschluss an seinen Vortrag diskutieren. Wir erkannten so verschiedene Möglichkeiten und Tendenzen.
Bei der nun folgenden Verwirklichungsphase entschlossen wir uns für eine Ausstellung mit Plakaten. Bei den Themen der Arbeitsgruppen sollten jeweils die Argumente der Befürworter und der Gegner gegenübergestellt werden. Dies war auch durch Bildmaterial zu veranschaulichen. Über die Diskussion mit Qusai sollte dann ein möglicher Kompromiss für ein gedeihliches Miteinander zwischen christlich, weltlich und muslimisch geprägten Menschen gefunden werden.
Bei unserem Projekt „Zukunftswerkstatt Europa“ ging es darum eine eigene Vision von einer wünschenswerten Zukunft zu entwickeln. Mit Problembewusstsein, Fantasie und Experimentierfreude versuchten wir die beiden uns leitenden Fragen zu beantworten:
-        Wie kann eine bessere Zukunft aussehen?
-        Welche Wege führen dort hin?
Mehr dazu kann man bei unserer Ausstellung am DHG erfahren. Am 29. Mai folgt eine Präsentation im Internationalen Haus bei der Festveranstaltung des DAAD. Zu unserem Projekt ist auch ein Video mit Qusai entstanden.
C. Dettmar
 
 
 
 
Link zum Video
 
Urkunde
Urkunde
Abb.1 Prof. Hasse (Foto: Anton K.)
Abb.1 Prof. Hasse (Foto: Anton K.)
Abb.2 Von Prof. Hasse gern gelesener Roman
Abb.2 Von Prof. Hasse gern gelesener Roman

Das Spannungsfeld zwischen Orient und Okzident aus ethischer Perspektive

Projekt des Ethik-Kurses 10 mit Prof. Hasse am Deutschhaus-Gymnasium

Als wir im Frühjahr die drei Abrahamsreligionen im Ethikunterricht bei Herrn Dettmar behandelten, wurde der Islam aufgrund der aktuellen politischen Lage in Deutschland und Europa schnell zum zentralen Thema. Wir entschlossen uns diese Weltreligion genauer zu betrachten. Durch gute Kontakte zum Institut für Philosophie der Universität Würzburg, welches sich in der Residenz befindet, ergab sich die Möglichkeit den diesjährigen Leibniz-Preisträger Prof. Dag Nikolaus Hasse zu Vortrag, Diskussion und Interview einzuladen.
Herr Prof. Hasse, der den Lehrstuhl für Geschichte der Philosophie in Würzburg inne hat und schwerpunktmäßig die Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte der griechisch-arabisch-lateinischen Tradition erforscht, willigte schon bald ein sich mit uns zu treffen. Wir einigten uns darauf, dass er uns sein Forschungsgebiet vorstellt und dabei speziell auf das Problem von Freiheit und Determination im Islam eingeht.
Hierzu haben wir uns im Vorfeld einige Fragen für ein Experteninterview, geführt von ausgewählten Moderatoren unseres Kurses, überlegt.
Außerdem wurden verschiedene Gruppen eingeteilt und mit Projekt-Aufgaben (Video, Bericht, Ausstellung, Essays) betraut.
Nun besuchte Prof. Hasse uns am 06.05.2016 im Ethikunterricht:
Herr Dettmar leitete den Vortrag mit einem Ausschnitt aus dem Blockbuster „Der Name der Rose“ ein, da Herr Hasse durch die Lektüre des gleichnamigen Buchs einst das Interesse für sein Forschungsgebiet gewonnen hatte. In der kurzen Sequenz vollführten die beiden Protagonisten des Films unter großem Jubelgeschrei Freudensprünge, als sie eine seltene Handschrift in einer geheimen Bibliothek eines Klosters entdeckten. Darauf angesprochen bestätigte Herr Hasse ähnliche Glücksmomente auch aus seiner Forschung zu kennen.
Um uns das näher zu belegen, holte er etwas weiter aus und berichtete sehr anschaulich zunächst über seinen Werdegang nach dem Abitur, der ihn zum Studium der Philosophie und der Wissenschaftsgeschichte des Orients und Okzidents führte. Für seine Forschung auf diesem Gebiet erhielt er im Frühjahr 2016 den renommierten und hoch dotierten Leibniz-Preis. Mit detektivischem Spürsinn war es ihm nämlich gelungen anhand des speziellen Wortgebrauchs und anderer persönlicher Eigenheiten arabische Texte unbekannter Herkunft den mutmaßlichen Verfassern zuzuordnen und somit deren Autorenschaft zu beweisen. Dies ermöglicht uns ein tieferes Textverständnis über die Erfassung von Abhängigkeiten innerhalb der Wissenschaftsgeschichte.
Dann begann der eigentliche Vortrag, in dem Herr Hasse uns am Smartboard aufzeigte, was unsere westliche Welt aus der alten islamischen Welt alles übernommen hat. So verdanken wir ihr zum Beispiel viele Errungenschaften und Entdeckungen aus dem Bereich der Medizin, insbesondere der Augenheilkunde und der Chirurgie. Verwundete Kreuzritter ließen sich einst bevorzugt von arabischen Medizinern behandeln, wenn ihnen das möglich war. Einen Eindruck von dieser frühen Blütezeit der Medizin und Pharmazie vermittelt der Roman bzw. Film „Der Medicus“. Besonders einflussreich war der lang anhaltende arabische Einfluss in Spanien (Grenada wurde erst Ende des 15. Jahrhunderts rückerobert).
Außerdem stammen einige, heute immer noch von uns verwendete Begriffe aus der arabischen Welt, z. B. „Sofa“, „Schach“ und viele Namen für Sternbilder.
Nach seinem ausführlichen Vortrag begann ein von uns vorbereitetes Experteninterview mit Fabrice und Noah-Ferenc als Moderatoren. Für dieses Interview hatten wir im Kurs zuvor zahlreiche Fragen vorbereitet. Leider reichte nur für fünf davon der Zeitrahmen aus. Dabei ging es hauptsächlich um die aktuelle politische Situation in Deutschland (Flüchtlingskrise, AFD). Fragen und Antworten finden sich in unserem Video zum Experteninterview.
Nach dem Interview verabschiedete Herr Dettmar Herrn Hasse unter großem Applaus und bedankte sich im Namen des Kurses bei ihm für den lehrreichen und interessanten Vortrag und dessen großzügige Bereitschaft auch auf Fragen einzugehen, die seinen unmittelbaren Forschungsbereich nicht direkt betrafen.
 
(Text: Anton K., Niels O., Tom v. d. B. und C. Dettmar)
Abb.3 Vortragsbeginn zum Wissenstransfer (Foto: Anton K.)
Abb.3 Vortragsbeginn zum Wissenstransfer (Foto: Anton K.)
Abb.4 Unsere beiden Moderatoren (Foto: Anton K.)
Abb.4 Unsere beiden Moderatoren (Foto: Anton K.)
Abb.5 Aufzeichnung des Experteninterviews (Foto: Anton K.)
Abb.5 Aufzeichnung des Experteninterviews (Foto: Anton K.)
Abb.6 Diskussion mit Prof. Hasse (Foto: Anton K.)
Abb.6 Diskussion mit Prof. Hasse (Foto: Anton K.)

Video zum Projekt mit Prof. Hasse


Video zur Einführung in die Ethik von Philipp Laurer aus dem Ethik-Seminar von Herrn Dettmar im WS 2015/16


Besuch von Professor Martin Heisenberg am Würzburger Deutschhaus-Gymnasium (4. Dez. 2014)

Abb.1 Kamera-Check und Beginn des Vortrags (Foto C. Dettmar)
Abb.1 Kamera-Check und Beginn des Vortrags (Foto C. Dettmar)
Gespannt lauschten 21 Schüler der 12. Jahrgangsstufe des Würzburger Deutschhaus-Gymnasiums Professor Heisenberg bei seinem Vortrag am 4. Dezember über das Verhalten von Fruchtfliegen, bevor eine lebhafte Diskussion darüber begann.
Der Sohn des Würzburger Nobelpreisträgers für Physik ist ebenfalls in der Forschung an der Universität tätig, allerdings im Fachbereich Biologie. Er hatte für rund zwei Jahrzehnte bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Genetik an der Universität Würzburg inne.
 
Abb.2 Liebeskummer bei Taufliegen (mit freundlicher Genehmigung durch Prof. Heisenberg)
Abb.2 Liebeskummer bei Taufliegen (mit freundlicher Genehmigung durch Prof. Heisenberg)
Am Beispiel der Fruchtfliege Drosophila melanogaster lassen sich einige Verhaltensweisen erforschen, die ihre Entsprechung beim Menschen finden. Ein verblüffendes Experiment, das Herr Heisenberg uns vorstellte, hat z. B. gezeigt, dass Fliegen-Männchen dem Alkohol zusprechen, wenn sie von den Weibchen wiederholt abgewiesen werden. Dies sollte natürlich nur eine für auf gärenden Früchten lebende Insektenart nahe liegende Verhaltensweise sein, nicht jedoch für uns Menschen.
Dank ihres vergleichsweise simplen Aufbaus ist die Fruchtfliege ideal für die genetische Forschung geeignet. Professor Heisenberg befasst sich aus neurogenetischer Perspektive mit dem Verhalten der kleinen Tiere, insbesondere aber auch mit der Frage, ob bei diesen einfachen Lebewesen bereits Anfänge von Willensfreiheit vorliegen. In der Anmoderation durch unseren Kursleiter wurde deshalb der breit gefächerte Forschungsansatz unseres Gasts hervorgehoben, denn dieser beschäftigt sich ähnlich wie sein Vater zugleich auch mit Themen aus der Philosophie und anderen Fachrichtungen. In der Familie Heisenberg hat es Tradition, den Blick über den Tellerrand der Einzeldisziplin zu wagen. Ob es dafür wohl auch ein Gen gibt? Die Heisenbergs haben einen großen Beitrag dazu geleistet, dass die Welt besser verstanden wird und ihr Werk erlangte auch international ein großes Echo. Bei uns Schülern traf diese fachübergreifende Betrachtungsweise auf große Resonanz.
Abb.3 Prof. Heisenberg stellt sich den Fragen der beiden Moderatorinnen (Foto: C. Dettmar)
Abb.3 Prof. Heisenberg stellt sich den Fragen der beiden Moderatorinnen (Foto: C. Dettmar)
Unter der fachkundigen Leitung unseres Lehrers Herrn Dettmar, der selber Biologie- und Ethiklehrer ist, wurde die Schülergruppe bestens auf den Vortrag vorbereitet. Sichtlich erfreut über die Aufmerksamkeit und das ausgiebige Experteninterview, das von zwei Moderatorinnen durchgeführt und von Mitschülern filmisch dokumentiert wurde, verließ Professor Heisenberg die Schule nach etwa zwei Stunden wieder.
Solche den normalen Lehrplan vertiefende Begegnungen gestalten den Unterricht am Deutschhaus-Gymnasium aktiv und interessant. Uns Schülern wurde ein Einblick in Arbeitsfelder biologischer Forschung gegeben und die Freude des Forschers daran vermittelt. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Berliner Forschungsbörse. Weitere Informationen und Bilder finden sich auf der Homepage des Deutschhaus-Gymnasiums unter www.deutschhaus.de
Lukas Weber, Q12
 
 
 

Das Böse als Preis der Freiheit?

Abb. 1: Das Portal des Würzburger Instituts für Philosophie (Foto: C. Dettmar)
Eine Exkursion des Ethikkurses der Q11 des Deutschhaus-Gymnsiums Würzburg geleitet von Herrn Dettmar. Den gesamten Artikel können Sie hier herunterladen.
 

Der Verlauf der Exkursion

Am 27. Juni 2014, einem sonnigen Sommermorgen, trifft sich der Ethikkurs der Q11 um 8 Uhr am Frankonia-Brunnen vor der Residenz. Im Institut für Philosophie erwartet sie Herr Prof. Müller. Prof. Müller ist sehr renommiert und gefragt. 2014 nahm er die Professur für antike und mittelalterliche Philosophie in Würzburg an und scheint sich dort sehr wohl zu fühlen. Zunächst geht Herr Müller die Geschichte des Bösen durch. Anhand von drei verschiedenen Philosophen erklärt er den Schülern, wie sich die Sicht auf das Böse geändert hat.
Anschließend führt Leon ein sog. Experteninterview mit dem sehr aufgeschlossenen und redegewandten Professor. Das Interview wird von Herrn Dettmar und Rachel aufgenommen, um es später zu einem Film zu verarbeiten.
Nachdem sich die Schüler und Herr Dettmar von Herrn Müller verabschiedet haben, geht es für sie wieder in die Schule. Durchaus zufrieden, denn ihre Fragen wurden ihnen sehr ausführlich beantwortet.

Die Geschichte des Bösen

Da es in der Geschichte der Ethik und Philosophie Denker unterschiedlicher Schulrichtungen gibt, gibt es auch unterschiedliche Ansätze, das Böse zu beschreiben: handlungstheoretisch, metaphysisch und ethisch. Und wie vieles andere auch liegt der Ursprung der Philosophie und damit auch der Ursprung der Definition des Bösen, in der Antike. Genauer gesagt, bei Sokrates…
 

Handlungstheoretisch (Sokrates)

Sokrates (469-399 v. Chr.) Urbild des Philosophen und Lehrer Platons
Niemand handelt absichtlich schlecht
Dieser Ansicht war Sokrates. Er meinte, jeder handle nur auf, für die handelnde Person, gute Ziele hin. Wenn man schlecht handle, sei es aus Unwissenheit oder Versehen.
Abb.3 Raffaels Schule von Athen (Sokrates: obere Reihe, 9. Person von links) (Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/68/Raffael_058.jpg)
Abb.3 Raffaels Schule von Athen (Sokrates: obere Reihe, 9. Person von links) (Quelle: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/68/Raffael_058.jpg)
Nicht ausgeschlossen sei allerdings, dass ein Mensch bei seinen Handlungen “das Böse” in Kauf nimmt. Dies wäre aber dann ein unumgänglicher Nebeneffekt. Kein Mensch handle aber böse um des Bösen willen.
Unser Seelenleben wird von unterschiedlichen Kräften bestimmt. Die Vernunft trifft auf die Begierde. So kann es also leicht geschehen, dass wir das leckere Törtchen essen, obwohl wir auf Diät sind und uns vorgenommen haben es nicht zu tun.
In diesem Moment aber, ist die Begierde Ursprung unserer Handlung und wir halten es für das Richtige. Das hier Schlechte beruht also auf Willensschwäche, die für Sokrates eine Form der Unwissenheit ist, denn wir denken nicht an die möglichen Konsequenzen.
Der Typ „Sokrates“: Siehe hierzu Sörens Analyse als pdf
 

Metaphysisch (Augustinus)

Augustinus von Hippo: (354-430 v. Chr.) Philosoph, Rhetor, Theologe und Bischof;

Im Gegensatz zu Sokrates geht der streng gläubige Christ Augustinus einen Schritt weiter und teilt die menschliche Natur in drei Teile. In die Vernunft, die Begierde und den Willen.

Augustinus erforschte sich selbst und kam zu dem Ergebnis, der Wille sei eine unabhängige Größe zu Verstand und Begierde.

Er löst damit die Frage:” Unde malum?” auf, also: “Woher kommt das Böse?”
Das Böse komme daher, dass der Mensch handeln kann, ohne vernünftigen Grund. Wir seien also frei, Entscheidungen völlig irrational zu treffen. Die Frage nach dem “WARUM?” wäre dabei nur mit “weil ich wollte” zu beantworten. Man könne also auch mit vollem Wissen und Gewissen das Falsche tun. So erklärt er sich auch den Apfeldiebstahl von Adam und Eva.
Abb.5 Baum der Erkenntnis und der Erbsünde (Quelle: http://kirchensite.de/uploads/pics/Erbsuende.jpg)
Abb.5 Baum der Erkenntnis und der Erbsünde (Quelle: kirchensite.de/uploads/pics/Erbsuende.jpg)
Abb.6 Adolf Eichmann (1906–1962), deutscher Kriegsverbrecher und SS-Obersturmbannführer (Quelle: http://www.lautgegennazis.de/blog/wp-content/uploads/2011/03/eichmannprozess-)
Abb.6 Adolf Eichmann (1906–1962), deutscher Kriegsverbrecher und SS-Obersturmbannführer (Quelle: www.lautgegennazis.de/blog/wp-content/uploads/2011/03/eichmannprozess-)

Ethisch (Hannah Arendt)

Hannah Arendt (1906-1975) jüdisch-deutschamerikanische politische Theoretikerin und Publizistin
Das größte begangene Böse ist das Böse, das von Niemandem begangen wurde, das heißt, von menschlichen Wesen, die sich weigern eine Person zu sein.” (Hannah Arendt)
Eine Person ist man nach Arendt dann, wenn man bereit ist zu denken, zu reflektieren und Handlungen auf ihre moralische Richtigkeit zu hinterfragen und zu werten. Das ist unabhängig von der Intelligenz des Menschen. Eichmann, über den Arendt auch ein Buch schrieb, ist das wohl beste Beispiel, für jemand, der kein Jemand war. Er führte Befehle aus, die den Tod von Millionen Menschen bedeuteten ohne auf das innere Gespräch über die Richtigkeit seiner Handlungen einzugehen.
Philosophie/Ethik in Studium und Beruf:
Siehe hierzu Kathrins Beitrag als pdf
 
(Text: Shinuna, Q12 und C. Dettmar)
 
Vielen Dank an Jonas und Leon aus der Q12 für die Arbeit an der Prezi!
Abb.1 Film ab… (Foto: C. Dettmar)
Abb.2 …im Kooperationsseminar Ethik © C. Dettmar.
Abb.3 Turm der Sinne © Sybex und Turm der Sinne, Nürnberg.

Neue Medien im Ethikunterricht

Im WS 2012/13 trafen sich Lehramtsstudierende mit dem Ethiklehrer Herrn Dettmar, um im Rahmen unserer schulischen Kooperationsvereinbarung mit der Universität Würzburg einen Filmworkshop im Computerraum des Deutschhaus-Gymnasiums durchzuführen. Dabei ging es um die Frage, wie man den Ethikunterricht unter Einsatz neuer Medien wie Foto und Film schülernah und handlungsorientiert gestalten kann.
Der Filmworkshop und die am Semesterende abgehaltenen Lehrproben bei unseren Ethikschülern der 10. Jahrgangsstufe liefen im Rahmen des Seminars Ethik unterrichten unter Einbeziehung von Foto und Film ab, das die Ethiklehrkraft während der Vorlesungszeit wöchentlich am Institut für Philosophie III in der Würzburger Residenz durchführt. Hier können Lehramtsstudierende über unterschiedlich gestaffelte Leistungsnachweise Testate erwerben bzw. bis zu 5 ECTS-Punkte verbucht bekommen.
Die Idee zum Seminar erwuchs aus der  Zusammenarbeit mit dem Philosophieprofessor Jörn Müller von der Universität Würzburg, dem Würzburger Programmkino Central und dem Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung.
Für eine im Nürnberger Museum Turm der Sinne geplante „sinnesphilosophische“ Ausstellung entstanden zu dem Thema Können wir die Welt erkennen? ein Textbeitrag und ein Video. Beides wurde bereits im Probelauf den Studierenden und  den Schülerinnen und Schülern des Ethik-Kurses vorgestellt. Die Diskussionsbeiträge ermöglichten eine adressatengerechte Gestaltung.
Näheres zu Inhalt und Start dieser Ausstellung ist unter www.turmdersinne.de zu erfahren. Ein kleiner Ausflug nach Nürnberg könnte sich schon bald nicht nur wegen der Lebkuchen lohnen.
 
(Text: C. Dettmar)
 

Können wir die Welt erkennen?

Video entstanden in Zusammenarbeit zwischen dem Kooperationsseminar Ethik der Universität Würzburg und dem Deutschhaus-Gymnasium
Textausschnitte aus:
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel The Philosophy Files © 2000 by Orion Children s Books Ltd., London
Für die deutsche Ausgabe: Stephen Law / Abenteuer Denken © 2002 Arena Verlag GmbH, Würzburg
Aus dem Englischen übersetzt von: Anne Braun
Hier der Film "Können wir die Welt erkennen?" als Download (bessere Qualität)