
Flohzirkus und Löwengarten (2012)
Noch rutschen die Schüler zappelnd und plappernd auf den Stuhlreihen in der Bibliothek umher und erwarten unruhig den Balladen-Vortrag von Peter Hub, den Frau Elflein einmal mehr für alle fünften Klassen organisiert hat. Auf die Einstiegsfragen des Schauspielers, die an den üblichen Deutschunterricht erinnern, lassen sich die jugendlichen Zuhörer nur zögerlich ein.
Als der Rezitator jedoch seine Stimme erhebt, um Goethes Zauberlehrling zum Leben zu erwecken, werden die Kinder schlagartig ganz still und lauschen gespannt der Geschichte von dem unartigen Lehrling, der bald mit der Überschwemmung des Hauses zu kämpfen hat, statt das geplante Bad genießen zu können. Packend stellt der unscheinbar wirkende Schauspieler seine Texte mit einfachen szenischen Mitteln dar. Als er das Erscheinen des alten Hexenmeisters durch die Eingangstür der Bibliothek gestisch andeutet, wenden sich alle Kinder gebannt um, um diesen in Augenschein zu nehmen.
Neben bekannten und weniger bekannten Balladen – eindrucksvoll vorgetragen unter anderem „Der rechte Barbier“ von Adelbert von Chamisso – hat Peter Hub lustige und nachdenkliche Erzählgedichte im Gepäck, mit denen er seine Zuhörer im zweiten Teil der Veranstaltung unterhält, z.B. den „Fisch mit Namen Fasch“ mit seinem „weißen Asch“ von Bertolt Brecht.
Zum Schluss ermuntert der Schauspieler die Kinder, sich selber am szenischen Vortragen von Gedichten zu versuchen. Eine schöne Aufgabe für den Deutschunterricht!
U. Meyer
„Zwischen Fehde und Minne“ – Projekttage der siebten Jahrgangsstufe (2011)
„Zwischen Fehde und Minne“ bewegten sich die Siebtklässler in der letzten Schulwoche des Jahres 2011. Die Deutsch- und Geschichtslehrkräfte der siebten Jahrgangsstufe hatten für die Projekttage zum Thema „Rittertum im Mittelalter“ einen umfangreichen Lernzirkel erarbeitet, der an acht Stationen umfassende Einblicke in Kultur und Sprache des Mittelalters bot. Minnesang und Mode, Burgen und Bräuche standen auf dem Programm. Die Schüler lernten wichtige Epen kennen und gingen alten Redewendungen auf den Grund. Der erste Tag war der sachlichen Auseinandersetzung gewidmet, der die Schüler mit Engagement nachgingen. Am zweiten Tag konnten die neu gewonnenen Kenntnisse kreativ umgesetzt werden. Da wurden Klassenwappen entworfen, ritterliche Erziehungsratgeber verfasst, Standbilder zu Redewendungen gestaltet oder Aventiuren in Brettspielen umgesetzt. Die Vielfalt der Zugangsmöglichkeiten erwies sich als ergiebig, das konzentrierte Arbeiten an einem Thema lohnt eine erweiterte Neuauflage. Nachahmung empfohlen!
U. Meyer

„Die verbrannten Dichter“ (Juni 2011)
Im Rahmen des Welttags des Buches kam der Rezitator Gerd Berghofer mit seinem aktuellen Programm „Die verbrannten Dichter“ ans Deutschhaus-Gymnasium. Der aus Nürnberg stammende Schauspieler reist mit literarischen Produktionen an Schulen und Kleinbühnen und besuchte am 17. Mai die zehnten Klassen des DHG . In der zwei Schulstunden dauernden Vorstellung stellte Herr Berghofer den Schülern dar, was 1933 bei der Bücherverbrennung vor sich gegangen war und was sie für Folgen hatte. Wichtig war ihm vor allem, vergessene Autoren wieder lebendig werden zu lassen, indem er anschaulich von den Lebensläufen der Schriftsteller erzählte und ihre Texte vortrug.
Die Betroffenen der Bücherverbrennung waren „politische Feinde“ der Nazis. Ab dem 10. Mai 1933 durften 125 Autoren, deren Werke unter lauten Rufen vernichtet wurden, nicht mehr publizieren, wurden verhaftet oder mussten ins Exil fliehen. Einer dieser Schriftsteller war Erich Kästner, der die Verbrennung seiner Werke durch die Nationalsozialisten mit eigenen Augen ansah. Als verbotener Autor fühlte er sich, wie er selbst beschrieb, wie ein „lebendiger Leichnam“.
Auch für andere verfolgte Schriftsteller hatte das Geschehen verheerende Folgen. Albert Ehrenstein, ein Expressionist, der schon am Ersten Weltkrieg in Form von Kriegsdemonstrationen Kritik geübt hatte, verließ sein Vaterland. Ihm gelang die Flucht über die Schweiz und andere europäische Länder in die USA. Als er jedoch nach dem Krieg zurückkehrte, war er, wie es das Ziel der Nazis gewesen war, vergessen und erhielt keinerlei Anerkennung mehr. Er starb im Armenhaus und teilte damit das Schicksal vieler Leidensgenossen.
Besonders erschütternd stellte Herr Berghofer die Biographie Erich Mühsams dar, eines Kommunisten und politischen Lyrikers, der in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet wurde. Nachdem er im KZ zu Tode gefoltert worden war, wurde er von den Nazis aufgehängt, die seinen Tod als Selbstmord darstellen wollten.
Gerd Berghofer berichtete in seiner Vorstellung auch von Else Lasker-Schüler, der einzigen Frau, die auf der Liste des 10. Mai stand und anderen Betroffenen. Die Schüler verfolgten den Vortrag mit großem Interesse und zeigten sich sehr berührt von den Schicksalen der Schriftsteller. Sein Ziel, die Betroffenen und ihre Geschichte wieder unvergessen zu machen, hat der Rezitator erreicht.
Sarah B., 10m
„Wer von euch mag Gedichte?“ Mit dieser Frage von Peter Hub, auf die sich nur wenige Kinder zaghaft melden, beginnt in der Bibliothek eine besondere Deutschstunde, die Frau Elflein für die fünfte Jahrgangsstufe organisiert hat. Herr Hub, Rezitator und Schauspieler, trägt den Fünftklässlern spannende Balladen und lustige Gedichte vor.
Den Anfang bilden zwei bekannte Balladen der beiden großen deutschen Dichter: „Der Zauberlehrling“ von J.W. v. Goethe und „Der Handschuh“ von F. Schiller.
Gespannt lauschen die Schüler dem Vortrag des Schauspielers, dem durch Wechsel der Stimmlage die Darstellung verschiedener Charaktere gelingt. Sie verfolgen jede seiner Bewegungen, mit denen er seine Zuhörer in den Bann der Balladen zieht.
So können die Schülerinnen und Schüler die Verzweiflung des Zauberlehrlings nachfühlen, als ihm der Zauberspruch nicht mehr einfällt und das ganze Haus überschwemmt wird. Ebenso hören sie die Verachtung in der Stimme des Ritters, mit der er Kunigunde begegnet, nachdem er ihren Handschuh aus dem Raubtierkäfig geholt hat.
In seinem Element ist Peter Hub beim Rezitieren lustiger Kindergedichte. „Die Sache mit den Klößen“ von Erich Kästner oder Bertolt Brechts „Ballade vom Fisch Fasch“ bringen die Fünftklässler und die anwesenden Lehrer zum Lachen.
Zum Schluss legt der Rezitator den Kindern nahe, eigene Gedichtvorträgen in der Klasse durch Sprache und Gestik interessanter zu gestalten. Als Peter Hub abschließend seine Eingangsfrage wiederholt, schnellen alle Arme begeistert in die Höhe. Ein voller Erfolg!
Sarah B., 10m
„Grüezi! Ein Schweizer-Schüler am Deutschhaus-Gymnasium“
8b und 8c beim UDI-Schülertag am 16. März 2010 zum Thema: Dialekt und Film

- Filmteams der Klassen 8b und 8c mit den gewonnenen Gutscheinen
„Dialekt und Film“ war das Thema des diesjährigen Schülertags, zu dem das Unterfränkische Dialektinstitut der Universität Würzburg die 8. Klassen aus Unterfranken geladen hatte. Aber nicht einfach so, denn Voraussetzung für die Teilnahme war – „do liegd dr Has em Pfeffr“, wie der Schwabe sagt - die selbstständige Produktion eines fünfminütigen Spielfilms, in dem Dialekt gesprochen werden musste.
Von dieser Maßgabe ließen sich die Klassen 8b und 8c des Deutschhaus-Gymnasiums (DHG) aber nicht abschrecken, die sich unter Leitung ihrer Lehrkräfte Frau Kalisch-Puppe und Herrn Klammer eifrig an die Arbeit machten.
Und so entstanden zwei durchaus sehenswerte Projekte. In dem Film der 8b legt Herr Dr. Müller charakteristische Merkmale des Schwäbischen in seinem Heimatdialekt vor laufender Kamera dar, während Herr Prestele dem Interview-Team eine Kostprobe seiner bayerischen Mundart geben kann.
Der Film der 8c ist die Geschichte eines fiktiven Schüleraustauschs mit der Schweiz, bei dem zunächst ein Schweizer ein paar Tage am DHG verbringt und durch seinen für alle unverständlichen Dialekt den Schülerinnen und Schülern der 8c unbeabsichtigt und dadurch umso witziger, ein ebenso lehrreiches wie amüsantes Unterrichtsthema beschert: „NEIN zu Dialekt-Mobbing!“ Anschließend macht ein Achtklässler vom DHG ähnliche Erfahrungen in der Schweiz, wo auch er erkennen muss, dass Unterfränkisch nicht international verständlich ist.
Beide Filme wurden auf DVD, wie in der Ausschreibung des im Rahmen des Schülertags veranstalteten Filmwettbewerbs verlangt, bereits eine Woche vorher dem Unterfränkischen Dialektinstitut zugesandt.
Am Dienstag, dem 16. März 2010, war es dann soweit:
Ab 9.30 Uhr trafen sieben angemeldete Klassen mit ihren Lehrkräften im Übungsraum 9 im Philosophiegebäude am Hubland zur Einschreibung ein, bevor sie um 10 Uhr durch Prof. Dr. Norbert Richard Wolf und durch die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Eva-Maria Linsenbreder im großen Hörsaal 2 begrüßt wurden: Vom Celtis Gymnasium Schweinfurt Klasse 8b, vom Mädchen Bildungswerk Gemünden die Klassen 8a und 8b, vom Karl-Theodor-v.Dalberg-Gymnasium Aschaffenberg 8c und 8e sowie vom DHG die Klassen 8b und 8c. Anschließend informierte Frau Dr. Monika Fritz-Scheuplein in einem moderierten Vortrag die Schülerinnen und Schüler sowie deren Lehrkräfte anhand von Wortbeispielen, wie „Kees“ und „Kaas“ für „Käse“, „Radsche“ und „Rädle“ für „kleines Rad“ sowie „petzen“, „pfetzen“, „pfitzen“ und „zwicken“ über drei Dialektgebiete in Unterfranken: das Rheinfränkisch/Hessische im Bereich Aschaffenburg, ein Übergangsgebiet zwischen zwei sprachlichen Kernräumen im Bereich zwischen Würzburg und Schweinfurt, sowie das Ostfränkische im Bereich Bad Neustadt und Umgebung. Daran schloss sich ein Vortrag von Christian Kelle an (radio rimpar television), den Regisseur und Hauptdarsteller in Filmen der lokalen Heimat-Krimi-Reihe Dadord Würzburch, in dem dieser der Frage nachging: Wann passt Dialekt im Film? Die anschließende Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern zum Thema gestaltete sich sehr unterhaltsam, zumal Herr Kelle Ausschnitte aus verschiedenen Filmen, u.a. auch aus dem neuesten Streifen „Tod im Wengert“, der letztmalig am 26. Februar 2010 im Theater am Neunerplatz lief, zeigte. Nach einer kurzen Pause fanden sich die Beteiligten zum Filmwettbewerb im großen Hörsaal ein, bei dem alle sieben Klassenfilme den Zuschauern wie auch der Jury, bestehend aus den Mitarbeitern des Dialektinstituts, der stellvertretenden Bezirkstagspräsidentin Frau Linsenbreder sowie Herrn Kelle von radio rimpar television, präsentiert wurden.
Bevor die Klassen der verschiedenen Schulen von ihren Lehrkräften sowie Mitarbeitern des Dialektinstituts zur Mittagspause in die Mensa begleitet wurden, nahmen die Achtklässler an einem Forschungsauftrag zum Thema: „Wie spreche ich wann mit wem?“ teil, bei dem durch Fragebögen die Verwendung des Dialekts durch die Schüler von heute sowie deren Eltern bzw. Großeltern ermittelt werden sollte.
Nach der Mittagspause hatten die Schüler durch die Teilnahme an einem Lernzirkel zum Thema „Methoden der Dialektforschung“ Gelegenheit, ihr Wissen auch auf diesem Gebiet zu erweitern.
In der nun folgenden Abschlussveranstaltung, die wiederum von Prof. Wolf moderiert wurde, stieg nun, ganz nach dem Motto: „Nix gwieß woaß ma ned“, die Spannung, welcher Film Sieger des Filmwettbewerbs werden würde. Zuerst aber mussten der Forschungsauftrag ausgewertet und, da alle Teilnehmer ihre Aufgaben zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst hatten, der Gewinner des Lernzirkels ausgelost werden. Als Sieger in diesem Bereich konnte sich aus der 8c Christoph Zobel vom DHG über eine DVD „Dadord Würzburch“ freuen.
Anschließend wurden alle beteiligten Klassen durch Sachpreise, zusätzlich zu einer Urkunde geehrt.
Verdienter Sieger des Filmwettbewerbs wurde die Klasse 8a aus Gemünden, die mit ihrer Internatsgeschichte aus dem Spessart „Die Schöne und die Franken“ technisch wie inhaltlich brillierte.
Anlass zum Jubel hatte auch die Klasse 8c vom DHG, die mit ihrem Film „Grüezi! Ein Schweizer-Schüler in Deutschland“ den zweiten Platz belegte, während sich das Schweinfurter Celtis Gymnasium mit dem Film „Haubtmo von Fuschd“, einer fränkischen Version des „Hauptmann von Köpenick“, über den dritten Platz freuen konnte.
(C. Kalisch-Puppe)